Spielberichte  /  Inland

TSV 1860 München - SC Freiburg

Karsten  2005/09/20

TSV 1860 München – SC Freiburg

Allianz-Arena München
TSV 1860 München – SC Freiburg 0-1 (0-0)
Zuschauer: 29500

Ein Spiel am Dienstag um 17:30 Uhr anzusetzen, ist ja an sich nicht wirklich fanfreundlich. Machte mir aber gar nicht so viel aus, weil ich halt einfach mal – Gleitzeit sei dank – ne halbe Stunde eher aus dem Büro gehen konnte. Mit der U-Bahn war dann auch der Weg zum Stadion schnell zurückgelegt. Der Fußweg zum Eingang dauert noch einige Minuten, dabei hat man die beeindruckende Außenansicht des Stadions aber stets vor Augen. Etwas irritiert hat mich im ersten Moment, dass ich keinen Kassenbereich erkennen konnte. Schließlich konnte auch dieser gefunden werden, er liegt als sogenannter ‚Canyon’ in einem kleinen Graben versteckt. Die Frage war nur: für welchen Block sollte man sich entscheiden? Die Entscheidung wurde mir durch einen Mann abgenommen, der eine Karte zuviel hatte und sie mir für zwei Euro unter Preis, also für 23 Euro verkaufte.

In meiner naiven Art und Weise hatte ich eine schöne Flasche Limo im Rucksack, die mir bei der Einlasskontrolle auch prompt angekreidet wurde. „Wegwerfen oder vorher austrinken!“ Klar, dass ich die Flasche ausgetrunken habe, war ja zum Glück nur noch etwas mehr als ein halber Liter drin. Auf diesen Limoschock musste ich mir erst mal einen Bierstand suchen. Aber halt: Barzahlung geht ja nicht, man braucht erst die Arenacard, von deren Guthaben dann an den Ständen der jeweils fällige Betrag abgebucht wird. Diese zu erhalten ist kein Problem, man kann sie aufgeladen bei einer der herumlaufenden, orange gekleideten Damen erwerben.

Nach dem Imbiss hieß es dann, den Platz zu suchen und einzunehmen. Die Gliederung des Stadions macht dieses aber nicht schwer: drei übereinanderliegende, strikt voneinander abgetrennte Ränge sind jeweils in zahlreiche Blöcke unterteilt, wobei übereinanderliegende nur durch die erste Ziffer unterschieden werden. Mein Platz fand sich schließlich auf der Osttribüne, die die Gegengerade darstellt, auf Höhe der Eckfahne.

Mir fiel auf, dass das aufgrund der schieren Größe absolut beeindruckende Stadion doch ein bisschen langweilig wirkt: alle Sitzschalen sind in neutralem Grau gehalten und das ganze weite Rund ist absolut regelmäßig angelegt, ohne optisch hervorstechende, unterschiedlich gestaltete Tribünen. Was den Anblick nicht abwechslungsreicher macht, ist auch die Tatsache, dass es sich bei den ‚Stehplätzen’ um ganz normale Sitzplatzreihen handelt, in die noch einige Wellenbrecher integriert sind. Mal schaun, wie die Stimmung denn werden würde...

Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir nach den euphorischen Berichten in der Presse doch mehr erwartet hätte. Zwar gaben sich die Fans am Anfang echt Mühe, laut zu sein, nur wurden diese im Laufe des schwachen Spiels doch zunehmend unlustiger. Die Löwenfans belegen dabei den unteren Rang der Nordtribüne sowie mehrere Blöcke des Unterrangs der Südtribüne. Das animiert dazu, sich in Wechselgesängen zu versuchen, ist aber insofern nicht gut, als dass die beiden Seiten nicht allzu gut koordiniert waren, was die Auswahl der Schlachtrufe und –gesänge betrifft. Da hatten es die Gästefans besser, die sich an der Westseite der erwähnten Südtribüne befanden. Diesen gelang es auch ab und zu, so laut zu sein, dass man sie in der gegenüberliegenden Ecke des Stadions trotz der nahen Heimfans hören konnte – vor allem in der Schlussphase.

Das Spiel selbst konnte ich von meinem Platz aus hervorragend sehen, was aber aufgrund der recht uninspirierten Spielweise beider Teams in der ersten Hälfte nicht unbedingt notwendig gewesen wäre. 60 versuchte nach vorne zu spielen, war aber viel zu kopflos, um die nach vorne eher harmlosen, hinten aber gut stehenden Freiburger ernsthaft in Gefahr zu bringen. Nach der Pause versuchten die Löwen mehr, fingen sich aber zunehmend Konter ein, von denen einer zum Elfmeter und dem 0-1 führte. In der letzten halben Stunden packte der Gastgeber die Brechstange aus, hatte aber Glück, dass die Gäste es versäumten, aus ihren Konterchancen weitere Tore zu machen. So mussten diese bis zum Schluss um den verdienten Sieg zittern.
Nach dem verdienten Pfeifkonzert strömte alles in Richtung U-Bahn, was einen Mangel des Stadions deutlich machte: die wenigen Alternativen bei der An- und Abreise. So war die U-Bahn hoffnungslos überfüllt und ich war nur noch froh, endlich die Münchner Freiheit erreicht zu haben, von wo aus ich die weitere Heimfahrt in ruhigeren U- und S-Bahnen fortsetzen konnte.