Spielberichte  /  Inland

Hertha BSC Berlin Amateure - Preußen Münster

Holger  2005/07/31

Hertha BSC Berlin Amateure – Preußen Münster

31.7.05 Regionalliga Nord
Hertha BSC Berlin Amateure – Preußen Münster 1:0 (1:0)
Amateurstadion 828 Zuschauer (200 Gäste)

Im Zug von Chisinau nach Kiew ging schon vor Fahrtbeginn mächtig der Punk ab: Ein blinder Passagier hatte sich in einem Abteil unseres Waggons verrammelt. Daraufhin brachen 6-7 Cops dieses auf und prügelten mit Schlagstöcken auf ihn ein, bekamen ihn aber nicht heraus. Erst als sie ihm wohl ein Betäubungsmittel spritzten, konnten sie ihn völlig benommen heraustragen.
Fette Action! Auf der Fahrt hatten wir zunächst tierisch Angst, daß es an der Grenze wieder Probleme geben würde. Erst als diese ohne Schikane passiert war, konnte auch etwas Augenpflege betrieben werden.
Freitag Mittag waren wir wieder in Kiew, wo nun noch fast 1 kompletter Tag rumgebracht werden musste, ehe der Zug gen Heimat fahren sollte. Erstmal wurde wieder im Hotel Express eingecheckt, was die Rezeptionsuschi mit breitem Grinsen kommentierte. Die wird sich auch gedacht haben: „Was wollen die denn schon wieder hier??“ Nachdem der Versuch für Freitag Abend noch irgendwelche Fußballspiele zu eruieren an der kyrillischen Schrift der ukrainischen HP’s und an der Motivationslosigkeit unsererseits (es war noch immer schweineheiss) gescheitert war, zog ich mich aufs Zimmer zurück und schaute Gerichtsshows und GZSZ auf RTL. So fühlt man sich eben heimisch...
Samstag Mittag konnte endlich die lange Zugfahrt Richtung Heimat angetreten werden. Überraschenderweise waren sogar ein par Deutsche in unserem Waggon, so dass auch mal
wieder in Landessprache kommuniziert werden konnte. Weiterhin war auch die georgische Junioren-Ringernationalmannschaft auf dem Weg zu den Europameisterschaften nach Wroclaw (Breslau) dabei. Alles nette Jungs, wobei einer von ihnen bei uns im Abteil war. Dummerweise funktionierte die Klimaanlage im Zug nicht, was zur Folge hatte, daß im Abteil ca. 50 Grad waren und ich mich deshalb fast nur auf dem Gang aufhielt. Auch meine 2 Tafeln Milka-Schokolade, die ich mir clevererweise (?) noch kurz vor der Abreise in Kiew gekauft hatte, waren in fast flüssigen Zustand übergegangen. Irgendwann um halb 11 abends erreichten wir die ukrainisch-polnische Grenze. Dort verbrachte der erstmal wieder 2 Stunden auf ukrainischer Seite zwecks Umspuren, dann noch mal 2 Stunden auf polnischer Seite zwecks Jagd nach Schmuggelzigaretten. Und die Zöllner wurden gewaltig fündig! Mindestens 6-7 große Müllsäcke voller Zigarettenstangen zogen sie raus. Manche Abteile (unseres zum Glück nicht) wurden komplett auseinandergenommen- das Gepäck dagegen seltsamerweise gar nicht kontrolliert. Tja, wenn man bedenkt, daß in der Ukraine eine Stange Zigaretten zwischen 3-8 Euro kostet schon ein lukratives Geschäft...
Sonntag früh um halb 6 erreichten wir Warschau, wo es regnete. Welch Wohltat nach der Gluthitze der zurückliegenden Woche. Dort wurden erstmal 2 Fahrkarten nach Berlin gekauft, ehe man in einem Internet-Cafe vom Hofer Sieg gegen Sand erfuhr. Die Fahrt nach Berlin verlief zunächst normal. Doch am Bahnhof Frankfurt/Oder hielt der Zug 45 Minuten an, weil ein Russe kein Visum für Deutschland hatte und dann auch noch zusammenklappte, so dass die Sanitäter kommen mussten. Markus und ich fanden dies gar nicht witzig, da wir zum anvisierten Spiel Hertha Am – Münster (Anstoß 14 Uhr) eh schon 20 Minuten zu spät gekommen wären. Jetzt befürchteten wir, nichtmal eine komplette Halbzeit zu sehen und überlegten gleich heimzufahren. Doch weil der Zug bis Berlin 20 Minuten wieder aufholte, versuchten wir es doch. Wir rannten wie irre über den Ostbahnhof – ich löste das Wochenendticket, während mein Mitfahrer das Gepäck verstaute. Dummerweise waren auch irgendwelche Gleisbauarbeiten in der Innenstadt, so daß die S-Bahn Fahrt länger dauerte als normal. Aber immerhin: Um kurz nach 14.30 Uhr kamen wir an der S-Bahn Station Olympiastadion an- jetzt sollte es doch kein Problem werden, das Amateurstadion zu finden. Doch Irrtum, wir irrten planlos auf dem riesigen Gelände umher und auch 2 Typen, welche ebenfalls das Stadion suchten, konnten uns nicht weiterhelfen. Erst irgendein Ordner wies uns auf den richtigen Weg, der aber auch noch einige Minuten in Anspruch nahm. Deshalb mußte eine Joggingeinlage herhalten und mit dem Anpfiff zur 2. Halbzeit passierten wir tatsächlich die Stadiontore. Puuh, Glück gehabt.
Der Ground gefiel mir nicht wirklich. Die Haupttribüne war zwar ganz OK, aber sonst klein und schmucklos das Teil. Gut, für ein Amateurstadion wohl ausreichend. Immerhin hatte Preußen eine ordendliche Anhängerschar dabei, welche auch eifrig supportete. Das Spiel war dagegen total öde. Hertha führte zur Halbzeit 1:0, aber man hätte denken können, es würde 0:0 stehen. Denn die Gäste machten kaum Druck und hatte auch keine Torchancen. Einiziges Highlight war die rote Karte wegen Tätlichkeit gegen einen Gästeakteur in der Nachspielzeit.
Die Heimfahrt verlief unspektakulär. Nur auf der Strecke Leipzig – Hof geriet ich nochmal etwas in Unruhe, da der Zug 15 Minuten zu spät losfuhr, weil er auf Anschlußreisende wartete, so dass ich mich schon auf eine Taxifahrt nach Münchberg einstellte. Doch mein Zug wartete in Hof- und so war diese geile Tour Sonntag abend um 23.30 Uhr zu Ende!