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VFC Plauen - 1.FC Magdeburg

Theo  2005/08/07

VFC Plauen - 1.FC Magdeburg

VFC Plauen - 1.FC Magdeburg 2:4 (1:1)
Oberliga Nordost, Staffel Süd
7. August 2005, Vogtlandstadion
Zuschauer: 3704 (davon mehrere hundert Gästefans)

Ob ich nach Plauen fahre, wollte ich am Sonntag einfach davon abhängig machen, ob es rechtzeitig Mittagessen gibt. Eigentlich hatte ich es schon beinahe abgeschrieben, aber zu meiner Überraschung war der Auflauf dann doch um halb eins fertig, so dass ich um dreiviertel schnell die Regenjacke schnappen und mich ins Auto schwingen konnte. Die Fahrt war diesmal ziemlich variantenreich; zunächst mal machen es die Sperren von Lessingbrücke und Teufelsbergtunnel natürlich unsinnig, erst bei Ullitz auf die Autobahn zu gehen, also hab ich den zwar kaum für die Fahrzeit, für die Streckenlänge aber doch deutlichen Umweg über Hof-Nord genommen. Dass die B173 irgendwo bei Weischlitz zu ist, hatte ich auch schon irgendwann mitbekommen, und die Ausfahrt Plauen-Süd macht zumindest bei der Zeit kaum einen Unterschied, aber dann ging die extreme Zickzackfahrerei auch in Plauen selbst noch weiter, erst nur anders um einen Block am unteren, dann auf einem etwas längeren Eck um den oberen Bahnhof rum. Parken darf man an solchen Tagen auch niemals in der Einbahnstraße "Nach dem Stadion", da kommt man hinterher stundenlang nicht wieder weg, lieber laufe ich gleich eine Viertelstunde.
Schon auf dem Weg herrscht massivste Präsenz von Polizisten und Polizistinnen in einer Art Ritterrüstungen. Wäre nicht wirklich nötig gewesen. Im Stadion dann fallen erstmal einige kopfstehende Transparente auf und ein Spruchband "Danket lieber den Taten, als eure Fans zu verraten!" Erst später habe ich eruiert, dass es Stadionverbote gegen 15 "Ultras Plauen" gibt wg. Bengalos. Scheinbar hatte der Verein sie alle zu einem Gespräch einbestellt und jedem, der nicht gekommen ist, Stadionverbot erteilt, darunter auch dreien, die bei dem fraglichen Match gar nicht dabei waren. Na ja. Übermäßig viel Anfeuerung gab es dann auch übers ganze Spiel nicht, aber das kenne ich von den Plauenern ehrlich gesagt auch sonst kaum anders. Immerhin, die Wechselrufe "Plauen - Plauen" funktionieren. Abwechslungsreicheres kommt aber aus dem ebenfalls gut gefüllten Gästeblock.
Bei der Verkündung der Mannschaftsaufstellungen bin ich dann scheinbar der einzige, der überrascht ist, als der Sprecher sagt: "Und nun der Mann, auf den ihr alle gewartet habt - mit der Nummer 20 Krassimir Balakov!" Ich hatte echt gedacht, wenn überhaupt müsste der erstmal drei, vier Wochen mittrainieren vor einem Einsatz, aber Publicity geht vor in Plauen, und so macht er also gleich das erste Spiel - und auch nur dieses. Dabei zeigt er, dass er die Rolle wie Robert Kilin in Selbitz beim VFC sehr gut ausfüllen könnte, wird von allen gesucht und tritt natürlich alle Standards. So ganz scheint das Gefühl im großen Zeh nicht da zu sein, zwei Freistöße liegen doch recht deutlich zu hoch, und der Erfolg stellt sich erst ein, als er zum ersten Mal eine Ecke kurz ausführt, den Ball direkt wieder bekommt und ihn dann flach in den Strafraum spielt - genau auf den richtigen Mann, der ihn sicher ins Netz befördert. Das passiert jedoch erst kurz vor der Halbzeit, und da steht es völlig widersprüchlich zum Spielverlauf schon 0:1, weil in der 32. Minute beim ersten von zwei ernstzunehmenden Kontern der Magdeburger VFC-Torwart Jens Golle einen Flachschuss (eigentlich nur ein etwas schnellerer Roller) von der Strafraumgrenze entweder falsch eingeschätzt oder zu spät gesehen hat. Mit 1:1 geht es also in die Pause.
Danach sieht das Spiel zunächst nicht viel anders aus, Plauen hat meistens den Ball, aber wenn er doch mal bei den Magdeburgern ist, wandert er durch schnelles und exaktes Passspiel, dem die VFC-Abwehr einigermaßen hilflos gegenübersteht, Richtung Plauener Strafraum, und so fällt bereits nach drei Minuten die erneute FCM-Führung. Noch einmal gelingt der Ausgleich - wiederum kommt das entscheidende Zuspiel von Balakov - und hätte sicher die Wende des Spiels bedeuten können, wäre nicht schon zwei Minuten später auf die inzwischen bekannte Weise das 2:3 gefallen. Das war der Schock, von dem sich Plauen nicht mehr erholte, stattdessen lassen sie sich wieder nur drei Minuten später fast ohne Gegenwehr auch noch das 2:4 einschenken. Dann geht Balakov unter gnädigem, wenn auch verständlicherweise nicht überschwänglichem Beifall raus (die Auswechslung wird uns präsentiert von der Sternquellbrauerei), und als eine Viertelstunde vor Schluss auch noch splittsteingroße Eiskörnchen vom plötzlich pechschwarzen Himmel fallen, besiegelt das den Ausgang der Partie, denn zehn Minuten lang ist an ein vernünftiges Fußballspiel nicht mehr zu denken. Ich habe zum Glück eine Kapuze, aber aus den Reaktionen der weniger gut vorbereiteten Zuschauer ist zu schließen, dass das durchaus schmerzhaft sein kann. der Schiri ist aber wohl von der abgehärteteren Sorte, er sieht keinen Grund für eine Unterbrechung. In den letzten fünf Minuten nach dm Hagel passiert nicht mehr viel, und so haben am Ende die Magdeburger optimale Voraussetzungen für einen Diver Richtung Fankurve, wo sie dann gleich noch eine Weile auf dem Rasen sitzen bleiben und sich feiern lassen.
Klar, diese Fans gehören in eine höhere Liga als die Plauener, aber ob die Mannschaft dieses Ziel wirklich erreichen kann, muss die Saison erst erweisen. Dass sie ein Spiel auch selbst machen können, haben sie diesmal nicht gezeigt. Plauen andererseits halte ich auch weiter für unaufsteigbar, jedenfalls wird es ganz schwer nach dieser Enttäuschung zum Auftakt.