Spielberichte  /  Inland

VfB Leipzig - Sachsen Leipzig

Lissi  2003/12/14

Krisenherd

Sachsen-Pokal 1/4-Finale
Bruno-Plache-Stadion
Zuschauer: 4700 (davon 800 Leutzscher)
Ergebnis: 1:2 (1:1)

Nach einer kurzen Nacht (ca. 3 Stunden Schlaf) wurde ich am Sonntagmorgen unsanft aus dem Reich der Träume gerissen. Das Handy klingelte zum vierten mal, welches das Zeichen zur Abfahrt, im wahrsten Sinne des Wortes einläutete. HOF/SAALE konnte es nicht früh genug losgehen und so ging die Reise in die Messestadt Punkt 9.Uhr los. Da Biber und Franz kurzfristig abgesagt hatten, war die Mannschaft arg dezimiert. Hätte man dies eher erfahren, wäre der Benny sicher dabei gewesen. Schade. Leider schläft Benny am Wochenende immer sehr lang und so probierte ich es erst gar net Ihn zu erreichen.
Auf der Fahrt lauschte ich aufmerksam den überaus interessanten Geschichten und Erlebnissen des Fahrers zu. Was mir schon bekannt war, dass „der Hofer“ den Hallensern des öfteren einen Besuch abstattet und diese bekanntlich sehr gut mit den LOK´schen befreundet sind. Nebenbei erfuhr ich das die gelegentlichen Halle Mitfahrer bei den HFC´lern blankes entsetzen hervorgerufen haben: „Also wir in Halle haben schon Gesockse, aber was Du immer aus Hof mitbringst das haben wir noch nie gesehen!“ Wie gut das ich weiß wer gemeint ist…
Nach dieser kurzweiligen Fahrt erreichte man über nen kleinen Umweg, der über das neue Zentralstadion und dem Völkerschlachtdenkmal führte in unmittelbarer Entfernung zum Ground einen geeigneten Parkplatz.
Bei nasskaltem Dreckswetter deckte man sich mit Karten ein, ehe man durch die strenge Sicherheitskontrolle (u. a. Metalldetektor) ins Stadion kam. Man war auf einiges gefasst hier, da dies höchstwahrscheinlich das letzte Aufeinandertreffen dieser Lokalrivalen auf Dauer werden dürfte. Je näher der Anpfiff kam, desto mehr wurde mir bewusst, wieso man derart hohe Sicherheitsbedingungen getroffen hat. Ich habe noch nie so eine in der Masse und Art hohes Gewaltpotenzial gesehen. Ein riesengroßes Polizeiaufgebot inkl. Wasserwerfer, Polizeihubschrauber und Berittene waren zur Prävention des Krisenherdes aufgeboten. Nur noch krass. Jedenfalls wusste ich, dass wir heute auf unsre Kosten kommen und was zu sehen bekommen.
Schon früh vor Anpfiff gab die Gegengerade (Ultra´-Fanblock) dicke Rauchzeichen um zu zeigen, das man präsent is. Zum eigentlichen Intro, stürmten gut 100 LOK-Fans, jeder mit einem Bengalo ausgestattet die Hintertorkurve, was ein geiles Bild abgab. Vermutlich war diese Aktion genehmigt worden, welche auf die Kulanz des Vereins zurückzuführen ist. Unser Fanbeaftragter würde es wohl auch genehmigt bekommen, wenn das unser auf Dauer letztes Spiel wäre.
Das Spiel begann mit einem Paukenschlag. Nach 18 Sekunden traf Kujat für Chemie mit einem Distanzschuß, sehr zur Freude der erstaunlich vielen mitgekommenen Chemie-Fans. Erstaunlich deshalb, weil diese öfters die Derbys in Probstheida aus Angst Ihrer Gesundheit boykotierten.
Danach machte die BSG das Spiel. Ich befürchtete, dass LOK früh abgeschossen wird und man deutlich den Klassenunterschied merkt. Doch als der Oberligist die Anfangsviertelstunde ohne weiteren Gegentreffer überstand, wurde dieser mutiger und bestimmte fortan das Geschehen auf dem Platz. Das auf den Rängen, bestimmten die Chemiker mittelmäßig bis durchschnitt. Bei den Fans des ersten Deutschen Meisters wollte anfangs nicht recht supporttechnisch glücken, wie auch, wenn man drei Fanblocks hat (um nichts zu unterschlagen, der dritte Fanblock ist der Dammsitz, auf welchem die nettesten von allen Fans sich einfinden).
Kurz vor dem Pausentee entschied der schwache Schiedsrichter überraschend auf Handelfmeter für die Gastgeber, der sicher verwandelt wurde. Ab jetzt kochte das Stadion und zum ersten male vereinigten sich die „Elloka“-Sprechchöre, was total geil rüberkam. Von den Chemie-Anhängern war dann nix mehr zu hören
Nach dem Seitenwechsel machte LOK weiter das Spiel, doch wie es so oft ist das andre Team das Tor.
Kurz vor Ende der Partie als ein VfB-ler einem Platzverweis wegen groben Foulspiels sah, drohte es zu eskalieren. Zwei bengalische landeten auf dem Platz, der Dammsitz drohte überzuschäumen und auf der überdachten Tribüne rauchte es kräftig.
Letztlich blieb es beim schmeichelhaften Auswärtssieg und die Lokis verabschiedeten Ihre Spieler, die seit Monaten kein Gehalt gesehen haben mit stehenden und euphorischen Ovationen. Auch ich ziehe meinen Hut vor diesen Spielern, für die es nicht selbstverständlich war, trotz Gehaltseinbussen so ein klasse Spiel zu zeigen.
Auf dem Weg zurück zum Auto blieben wir bei ner netten Menschenansammlung hängen, die gut 500 Mann stark war, die die Chemiker auf Ihre Art verabschieden wollten. Haben doch recht, wenn man sich wahrscheinlich nicht so bald wieder sieht.