Spielberichte  /  Inland

1. FC Köln - Alemmannia Aachen

Markus  2003/02/10

Wir Sind Alle Nicht Normal

2.Bundesliga
Stadion: RheinEnergie-Stadion (Müngersdorfer Stadion)
Zuschauer: 27.500
Ergebnis: 3:3 (1:0)

Was macht man an einem Montagmittag - man hat Urlaub - und trinkt gerade gemütlich einen Kaffee? Man liest die Zeitung und studiert die Ergebnisse des Wochenendes. Die Hofer Bayern befinden sich noch in der Winterpause -
nur im bezahlten Fussball wird schon wieder gespielt. Fussball - ja das wär heute auch was - aber heut ist ja Montag, um da findet ja mit Sicherheit kein Spiel statt. Außer vielleicht....ja - da gibt es doch dieses Montagsspiel in der zweiten Liga. Vielleicht spielt ja Fürth - das wäre ja nicht so weit. Der Blick in die Zeitung zeigt da das Spiel Köln - Aachen.
Ein Derby - sicher interessant, aber halt auch verdammt weit weg. EGAL! Man hat ja Urlaub - und wenn, wann nicht da kann man sich ein solches Erlebnis gönnen. Außerdem will das neue Auto ja auch endlich mal ausgefahren werden.
Also - ohne große Überlegung schnell ins Auto und einfach drauf los.

In Frankfurt zwar kurz mal gezweifelt, ob es denn nicht eigentlich "völlig verrückt" ist, was man da macht - als aber das Autobahnschild irgendwann später noch 120 km nach Köln anzeigte, ist es wieder da, das gute Gefühl, eben doch spontan richtig gehandelt zu haben. Sogar die Zeit, noch eine kurze Erfrischung einzunehmen ist da. Kurz nach 18 Uhr war ich dann in Köln und hatte zwei Missionen: Stadion finden und eine Unterkunft - denn zurück sollte es heute nicht mehr gehen, das stand nach sechs Stunden Fahrt fest.
Müngersdorf war gut ausgeschildert - und je näher ich zum Stadion kam, umso einfacher war es auch zu finden - denn die ersten FC-Fans waren auch schon unterwegs. Stadion war also gefunden - ebenso konnte ich feststellen, dass die Strassenbahn zum Stadion alle 10 Minuten fuhr. Jetzt noch schnell eine Unterkunft und ein Bierchen für danach besorgt, konnte ich mich schon langsam aufs Spiel einstimmen. Meine Übernachtungsmöglichkeit lag gerade mal 10 Minuten vom Stadion entfernt.
Der Weg Richtung Fussballplatz wurde gelaufen - vorbei an unzähligen Kneipen, wo sehr viele Menschen bereits ihr Kölsch "davor" einnahmen. An der letzten Tankstelle vor dem Stadion machte dann auch ich halt und "versteckte" einige "Fruchtzwerge". Die Tanke war fest in Kölner Hand und mehrere Fanshops baten ihre Waren an. Warum ich mir den Fanschal "Wir sind nur ein Karnevalsverein" für 10 Euro nicht gekauft habe, weiß ich bis heute nicht - und ich ärgere mich auch jedesmal, wenn ich dran denke (im übrigen würde er zur Zeit auch gut zum B.H.F.C. passen). Vor dem Spiel dann noch schnell eine der Restkarten besorgt und auf ins Stadion - Oberrang zwar nur, aber der Blick war sehr gut - im Gegensatz zum Wetter. Arschkalt - dazu ein eisiger Wind.

Das Stadion selbst war so gut wie ausverkauft und ca. 5000 Aachener sorgten für eine richtige Derbystimmung. Brisant war die aktuelle Konstellation zusätzlich, die Geißböcke scheinen dem Feld bereits etwas enteilt zu sein und dem sicheren Aufstieg entgegenzugehen, müssen aber zeigen, daß sie die 0:8-Pokalschlappe bei Bayern München aus der Vorwoche ohne psychischen Knacks überstanden haben. Für die Alemannia geht es darum, den Anschluß nach oben zu halten. Tatsächlich beginnen die Aachener wie ein Team, dem es um den Sieg geht. Der FC bringt zunächst nicht viel auf die Reihe und sieht sich immer wieder Angriffen der Alemannia ausgesetzt. So sehen sich die Gastgeber im eigenen Stadion nach hinten gedrängt und verlegen sich aufs Kontern. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte fällt dann doch noch der Führungstreffer für die Hausherren. Kurz nach der Pause erhöhen die Hausherren auf 2:0 und 25 Minuten vor Schluß scheint die Partie angesichts des dritten Kölner Treffers gelaufen zu sein. Daß der Stachel der Pokal schlappe tiefer sitzt als angenommen, zeigt sich dann aber nach dem Aachener Treffer zum 1:3. Plötzlich zeigen sich die Hausherren wieder verunsichert, lassen die Gäste nach Belieben agieren und beschränken sich drauf, die Bälle wegzuschlagen. Nachdem kurz der Schiedsrichter die Hauptrolle übernimmt und je einen Spieler der beiden Kontrahenten vorzeitig zum Duschen schickt, bringen die letzten zehn Minuten zwei weitere Treffer für die Gelb-Schwarzen und ein kaum noch für möglich gehaltenes 3:3 Unentschieden - pikanterweise übrigens durch einen Hattrick der eingewechselten Neuerwerbung Krontiris.

Ich muss es zu meiner Schande gestehen - die letzten beiden Treffer habe ich mir dann im Hotel auf DSF angesehen - bei einem gemütlichen Bier und etwas wärmer als im eisigen Stadion, das ja zur Zeit umgebaut wird. Allerdings hatte ich so auch die Möglichkeit, die Stimmen zum Spiel zu hören, die mir sonst wohl entgangen wären.

Am nächsten Tag gings dann mit dem Auto wieder zurück - mit einem kurzen Abstecher zum "Big Brother" Haus in Köln Hürth undvorbei an den RTL-Studios. Nach einem kleinen Zwischenhalt am Frankfurter Flughafen war ich dann Dienstag nachmittags zurück in Hof.