Spielberichte  /  Ausland

FC Barcelona - Udinese Calcio

Holger  2005/09/27

FC Barcelona – Udinese Calcio

27.9.05 Champions-League 1. Hauptrunde
FC Barcelona – Udinese Calcio 4:1 (3:1)
Nou Camp 90000 Zuschauer (ca. 1500 Gäste)

An diesem Dienstag sollte das bisherige Highlight des Fußballjahres steigen. Mit einem Besuch im größten Fußballstadion Europas (fast 100000 Plätze) wollte ich mir einen langgehegten Traum erfüllen. Um nach Barcelona zu gelangen, wurde eine völlig neue Art der Fortbewegung erprobt, nämlich ein Europabus (eurolines). 106 € ab Ulm für hin und zurück klang jedenfalls recht annehmbar. Das kriegt man höchstens noch mit Billigflieger- aber auch nur dann, wenn man schon ewig vorher bucht. Nachdem ich über Internet eine Übernachtung in einer Jugendherberge klargemacht hatte ( die Rückfahrt war 1 Tag nach dem Spiel), konnte es Montag in der Früh losgehen. Die Zugfahrt mit Bayern-Single Ticket klappte –überraschenderweise- reibungslos, so daß ich knapp 2 Stunde vor der Abfahrt des Busses (15 Uhr) am Ulmer Hbf. war. Als ich den Abfahrtsort inspizierte, kam ich ins Gespräch mit einem sehr symphatischen Slowaken, der in Deutschland arbeitete und mit einem anderen Europabus Heimaturlaub antreten wollte. So gestaltete sich wenigstens die Wartezeit nicht so langweilig...
Dann eine Überraschung: Mein Bus traf schon fast 1 Stunde eher ein. Da ich der einzige war, der in Ulm zusteigen wollte, konnten wir auch gleich weiterfahren. Als ich eintrat, kam Freude in mir hoch: Neben mir gerade mal 4 andere Personen. Das konnte ja ne gemütliche Nacht werden!
Doch der Busfahrer zerstörte diese Illusion sofort. Er teile mit, daß wir in Karlsruhe in einen anderen Bus umsteigen müßten, und der sei voll. Na toll.. Dennoch blieb der Platz neben wir noch bis zur letzten Einstiegstelle in Mulhouse (kurz hinter der deutsch-französischen Grenze) frei. Dann setzte sich ein Typ zu mir und minderte damit meine Beinfreiheit, verhielt sich aber immerhin ruhig. Schlafen konnte ich nicht viel, aber egal. Dienstag Mittag erreichten wir dann Barcelona. Als ich aus dem Bus ausstieg, schlug mir gleich ziemliche Hitze entgegen (fast 30 Grad). Welch ein Unterschied zum kalten „Hochfranken“. Ich nahm gleich mal den Weg zum Stadion in Angriff. Vielleicht hatten ja schon Kassen geöffnet?! Und tatsächlich: Obwohl es noch fast 9 Stunden bis Spielbeginn waren, konnte man schon Tickets erwerben. Da ich auf der Barca-HP nachgeschaut hatte, wußte ich, welche Preise mich erwarten würden. Die billigsten für 29 Eus gab es leider nimmer. Die nächste Preisstufe (38€) wäre hinter dem Tor ganz oben gewesen. Allerdings liegen im Nou Camp die höchsten Sitze 18m hoch, und ich wollte die Spieler vernünftig und nicht in Ameisengröße sehen. Deshalb entschied ich mich noch 8 Euro draufzupacken und hatte dafür auch einen super Sitzplatz direkt am Spielfeldrand auf Höhe der Eckfahne.
Zufrieden konnte ich mich nun auf dem Weg zur Herberge machen. Unterwegs noch schnell 1 Stunde Internetcafe mitgenommen, erreichte ich mein Domizil am frühen Nachmittag. Der Check-In klappte reibungslos, doch als ich das Zimmer betrat, war ich etwas verwirrt: Vorhänge zugezogen und schlafende Leute. Irritiert ging ich erst wieder raus und duschte mich (Dusche auf dem Gang- eng aber sauber). Danach haute ich mich doch für ein paar Stunden aufs Bett, mußte aber aufpassen nicht einzupennen, um das Spiel nicht zu verschlafen. 2 Stunden vor Anstoß (20.45 Uhr) schlenderte ich gemütlich gen Estadio, welches ich nach einem Zwischenstop im Mc D des Hauptbahnshofs auch knapp 1 Stunde vor Anpfiff erreichte. Leute waren noch wenige drin, so dass genug Zeit für eine ausgiebige Groundbetrachtung blieb. Tja, was soll ich sagen? Das „Kollosseum von Katalonien“ ist einfach geil, gigantisch, unglaublich. Ich würde jedem empfehlen mal ein Spiel darin zu gucken. Beseelt von dem phänomenalen Anblick träumte ich bis zum Anpfiff vor mich hin und bekam kaum mit, daß sich das Stadion doch überraschend gut füllte. So werden wohl um die 90000 Besucher dagewesen sein (ich hatte mit 50000 gerechnet!), nur in den Oberrängen waren ein paar leere Sitzschalen feststellbar.
Zum Spiel: Die Heimelf machte gleich mächtig Druck und ging nach etwa 15 Minuten durch einen herrlichen Freistoß von Superstar Ronaldinho in Führung. Weitere Chancen blieben ungenutzt, so daß der Ausgleich nach gut einer halben Stunde völlig überraschend kam. Doch jetzt war Barca endgültig wach und legte bis zur Halbzeit noch 2 weitere Treffer nach. Kurz nach der Halbzeit kassierte ein Italiener eine –berechtigte- gelb/rote Karte, womit das Spiel endgültig war. Leider verflachte die bis dahin sehr gute Begegnung, da die Hausherren mindestens 2 Gänge zurückschalteten. Kurz vor Schluß dann noch ein Elfmeter nach Foul an Ronaldinho (sah wie Schwalbe aus, war aber keine). Dieser verwandelte höchstpersönlich und machte damit Bude Nummer 3. Allerdings war ich etwas enttäuscht, da die Stimmung unter den Heimfans doch leicht zu wünschen übrig lies. Die überraschend große Zahl an Udinern war deutlich mehr zu hören (dabei ist 1500 Fans wirklich nur ein äußerst grobe Schätzung, weil sie an mehreren Orten verteilt waren und zudem das Stadion riesig ist).
Nach dem Spiel ging es schnurstracks wieder in die Herberge. Dort machten sich 3 meiner Zimmergenossen ( Italiener; aber keine Fußballfans- 1 Typ und 2 recht geile Uschis) fertig für das Night-Life, während ich mich mehr meinem Bett zugezogen fühlte. Dort lag auch irgendein Typ, über den ich mich zunächst köstlich amüsierte, da er bei Schweinehitze mit langem Schlafanzug auf dem Bett lag. Als er jedoch in der Nacht heftig schnarchte, schwand meine gute Laune zusehends. Egal, ein paar Stunden Schlaf wurden doch getankt, so daß am nächsten Morgen beruhigt das Frühstück inspiziert werden konnte. Da ich Cornflakes und Müsli nicht so unbedingt männlich finde, blieb mir nur die Option, mit Weißbrot und Marmelade den Bauch vollzustopfen. Denn immerhin war das Frühstück ja im Übernachtungspreis inbegriffen...
Die Zeit bis kurz Rückfahrt des Busses (17 Uhr) wurde mit abhängen, Internet, und Döneressen (3,50€) totgeschlagen. Vor der Abfahrt des Busses wurde meine Geduld nochmals enorm strapaziert: Denn man mußte sich an einem Check-in Schalter einfinden. Dort herrschte aber unglaubliches Chaos, weil etwa 5 Europabusse fast gleichzeitig zur Rückfahrt bereit standen. Riesenschlage und totales Sprachgewirr waren die Folge und nichts ging weiter. Doch dann saß ich doch kurz vor Abfahrt mit einer Bordkarte bewaffnet auf einem Sitz im Bus. Neben mir war diesmal eine junge Französin. Allerdings war die Konversation schwierig. Mist, hätte ich doch nur Französisch statt Latein in der Schule genommen!
An der französisch- deutschen Grenze wurde unser Bus heftig nach Drogen gefilzt (mit Hund ,etc..), so dass sich eine Verspätung von fast 90 Minuten ansammelte. Deshalb hatte ich in Ulm nochmals mächtig Hektik. 1 Minute nach Ankunft des Busses fuhr mein Zug in Richtung Heimat, weshalb ich wie ein Irrer durch den Bahnhof rannte, um nicht 1 Stunde warten zu müssen. Ich wollte nämlich nur noch heim, da ich doch recht müde und erledigt war. Zum Glück schaffte ich den Zug, und Donnerstag um 20 Uhr erreichte wieder meine Heimat Münchberg, wo ich gleich die ortstypische Kälte spürte .
FAZIT: Absolut geile Tour!