Spielberichte  /  Ausland

Dacia Chisinau - FC Vaduz

Holger  2005/07/28

Dacia Chisinau – FC Vaduz

28.7.05 UEFA-Cup Quali 1. Runde (Rückspiel)
Dacia Chisinau – FC Vaduz 1:0 (0:0)
Republican Stadium 1500 Zuschauer ( 0 Gäste)

Am nächsten Morgen etwa um 8.30 Uhr sollte es weiter nach Moldawien gehen. Doch der Zug erschien erstmal nicht, was bei Markus, der ja schon mal vergeblich nach Moldawien gereist war- ziemliche Panik auslöste. Doch ich konnte eruieren, daß er lediglich 45 Minuten Verspätung hatte. Deutsche Bahn lässt grüßen....
Der Zug bestand aus 4 Mann Schlafabteilen, wobei wir eines zu zweit hatte. Da die etwa 13 stündige Fahrt tagsüber verlief, konnte auf 2 Euro „Bettwäsche-Nutzungsgebühr“ verzichtet werden. An den Unterwegshalten versuchten alle möglichen Händler Lebensmittel zu verkaufen. Leider war dabei auch viel Fisch, was bei etwa 40 Grad einen üblen Gestank auslöste. Ansonsten aber gab es keine Vorkommnisse. Das änderte sich aber schlagartig an der ukrainisch-moldawischen Grenze (moldawischer Teil). Ein Grenzbeamter kam in das Abteil und wollte mein Visum sehen. Danach quasselte er mich ewig voll, daß wohl irgendwas nicht in Ordnung sei. Danach kam dann auch Markus und noch ein weiterer Typ in Tarnanzug rein-und die Tür ging zu. Oh weia, was jetzt? Der Typ im Tarnanzug sprach immerhin englisch. Er teilte uns mit, daß wir hier NICHT in Moldawien sondern in Transnistrien seien und wir dafür einen extra Stempel bräuchten (Zur Erklärung: Transnistrien ist ein Teil Moldawien, der sich- im Gegensatz zum rumänisch orientierten Rest- mehr zu Rußland hingezogen fühlt und daher Unabhängigkeit anstrebt; vgl. Tschetschnien). Da wir aber keinen Stempel haben, müßten wir den Zug verlassen und um dieses Gebiet rumfahren. In diesem Moment schossen mir 1000 wüste Gedanken durch den Kopf, Moldawien ade? Doch kurze Zeit später machte er einen anderen Vorschlag: Wir könnten auch ihm und dem anderen Typen 20 US- Dollar zahlen und sitzenbleiben (Markus hatte Dollar dabei, die als Zahlungsmittel für das Hotel gedacht waren).Wir sollten uns nur morgen bei der Polizei melden und den Stempel holen. Dies wurde ohne zu zögern akzeptiert. So konnte die Fahrt immerhin fortgesetzt werden, aber die Stimmung war doch irgendwie gedrückt. Auch der Versuch einer blonden Schaffneruschi mit großen Argumenten mich in ein Gespräch zu verwickeln, konnte mich nicht aufbauen, da die weder Deutsch noch Englisch sprach und die Konversation deshalb scheiterte.
Abends in Chisinau angekommen, suchten wir gleich das Hotel auf, in dem Markus schon letztes Jahr auf seiner Tour mit Flo genächtigt hatte. Tatsächlich war auch eine Hotelangestellte, die sehr gut Englisch und auch akzeptabel Deutsch spricht, und den beiden schon damals geholfen hatte, wieder da. Ihr erzählte ich natürlich gleich von den Erlebnissen an der Grenze. Sie meinte, daß der Zöllner nur Bullshit gefaselt habe, und versicherte mir, es würde bei der Ausreise keine Probleme geben. Doch das beruhigte uns nicht wirklich. Allerdings zeigte eine Nachfrage von Markus bei befreundeten Hoppern, daß solche korrupten Abzockmethoden durchaus üblich sind.
Etwas ärgerlich fand ich auch, daß die Zimmerpreise von 8 Euro pro Mann pro Nacht für ein Doppelzimmer auf über 22 Euro gestiegen waren! Inflation sucks!! Auch hatten Klo und Dusche (immerhin auf dem Zimmer) nicht gerade mitteleuropäisches Standardniveau, was mir aber angesichts der brütenden Hitze relativ schnuppe war. Immerhin funktionierte der Kühlschrank. Sehr positiv auch die große Internet-„Lounge“ mit 25 Cent pro Stunde zudem preislich hervorragend...
Mittag des nächsten Tages gingen wir zum moldawischen Nationalstadion. Und tatsächlich- es hatte auch schon eine Kasse geöffnet. Die Eintrittspreise waren nicht der Rede wert- 70 Cent! Danach wurde versucht den Hunger in einem türkischen Restaurant zu stillen, doch ausgerechnet Döner war aus! Ich bestelle einfach irgendwas auf der Karte und bekam einen Geflügelspieß mit Pommes und Fladenbrot. Der schmeckte OK, war aber für moldawische Verhältnisse recht teuer (5 Euro). Danach noch etwas im Internet gesurft, ehe es 90 Minuten vor Spielbeginn zum Stadion ging (Anstoß 18.30 Uhr Ortszeit). Der Ground war ein Paradies für Freunde veralteter und heruntergekommener Stadien. Vor allem bei den Flutlichtmasten dachte man, sie könnten einem jeden Moment auf den Kopf fallen. Das Zuschauerinteresse war höher als ich gedacht hatte, wobei sich 90% der Zuschauer in zwei Blöcken befanden, während der Rest fast leer blieb.
Zum Spiel: Der Verein aus Lichtenstein (spielt 2. Liga Schweiz) hatte das Hinspiel mit 2:0 gewonnen und war auch am Anfang überlegen. Erst gegen Ende der 1. Halbzeit kam Dacia besser ins Spiel. In der zweiten Halbzeit war die Heimelf klar überlegen und ging nach ca. 70 Minuten durch ein Kopfballtor in Führung. Jetzt hoffte ich auf eine Verlängerung, was Hof/Saale entsetzt ablehnte, da die Spielqualität nicht gerade super war. Aber was will man erwarten- es handelte sich ja nicht um europäische Spitzenmannschaften... Aber immerhin war das Spiel keineswegs langweilig und auch in unserem Block kam so etwas wie Begeisterung auf. Gästefans waren –logischerweise- nicht auszumachen. In der Nachspielzeit ein Freistoß für die Heimmannschaft in bester Position. Doch der wurde kläglich versiebt und meine Verlängerungsträume waren dahin.
Nach dem Spiel ging es gleich wieder zurück ins Hotel, wo wir unser Gepäck holten, welches wir freundlicherweise tagsüber umsonst aufbewahren konnten. Denn um 23 Uhr ging schon unser Zug zurück nach Kiew. Es war ein hartes Stück Arbeit- aber der Länderpunkt Moldawien war unter Dach und Fach!