Spielberichte  /  Ausland

Dynamo Kiew - FC Thun

Holger  2005/07/26

Dynamo Kiew – FC Thun

26.7.05 Champions-League Quali 2. Runde
Dynamo Kiew – FC Thun 2:2 (2:1)
Stadion Valeriy Lobanovskiy (Dinamo)
16.873 Zuschauer (ausverkauft; ca. 30 Gäste)

Montag mittag erreichten wir dann die polnisch- ukrainische Grenze, wo mit Grenzkontrollen und Umspuren des Zuges (zur Erklärung: in der ehemaligen Sowjetunion haben die Bahnschienen eine andere Breite als bei uns) etwa 3 Stunden vergingen. Doch noch immer standen fast 10 Stunden Fahrt bis Kiew an. Diese versuchte ich durch Betrachten der Gegend zu vertreiben, was sich aber als unklug erwies, da alles irgendwie gleich aussah. Es gab nur Sträucher, Bäume, Felder, sehr selten Häuser. Abwechslung nur, als eine Ukrainerin in unserem Abteil ihr Handy aufladen wollte, von Markus aber gnadenlos rausgeschmissen wurde, woraufhin sie ihn wütend als „böser Mann“ betitelte. Immerhin mal ein paar deutsche Worte...
Unglücklicherweise hatte ich mich mit der Essensplanung vertan: Ich ging davon aus, daß in einem Zug, der 24 Stunden fährt zumindest eine Gelegenheit existiert, sich etwas zu essen zu kaufen. Doch Irrtum: Es gab nichts!! Die Tatsache, daß unser ukrainischer Abteilgenosse einen halben Supermarkt dabei hatte, verstärkte mein Magenknurren nur noch. Zum Glück hatte aber auch mein Mitfahrer ausreichend Fressalien dabei und konnte mich somit vorm Hungertod retten (Merci!).
Als wir Montag Abend gegen 23 Uhr endlich Kiew erreichten, war uns zunächst ein Ehepaar aus dem Zug, das relativ gut Deutsch sprach, behilflich, den internationalen Fahrkartenschalter zu finden. Wir brauchten ja noch Tickets für die Weiterfahrt nach Moldawien und die Heimfahrt. Doch angesichts der Megaschlange verschoben wir das auf morgen. Zudem erklärten sie uns den Weg zum Hotel. Ich hatte in vor Tourstart 3 Hotels im Internet eruiert, wobei eines (zwar das Teuerste, aber was solls) in Nähe des Bahnhofs lag. Auf dem Weg dorthin fragten wir noch in einem anderen nach, allerdings war 60 € pro Person und Nacht doch etwas zu viel. Unser Hotel (Name: Express) kostete dagegen 27 €, was uns auch fast noch teuer war, aber angesichts der Unlust weiterzusuchen akzeptiert wurde. Das Zimmer war schön eingerichtet mit bequemen Bett und Fernseher ( sogar RTL). Dummerweise gab es keine Klimaanlage und der Kühlschrank kühlte nicht wirklich. Dies war deshalb so problematisch, da während der ganzen Tour extreme Hitze herrschte, die jeden Tag noch etwas schlimmer wurde. Dann wurde erstmal geduscht ( sehr gut, nur leider nicht auf dem Zimmer) ehe man irgendwann um 2 Uhr erschöpft ins Reich der Träume fiel.
Doch die Nachtruhe war nicht lang, da wir ja am nächsten Morgen gleich die Zugtickets kaufen wollten. An der (englischsprachigen) Hotelrezeption ließen wir die gewünschten Verbindungen in kyrillischer Schrift aufschreiben und trotteten zum Bahnhof. Die Fahrkarte nach Chisinau (Moldawien) war auch kein Problem, doch bei Kiew – Berlin schüttelte die Schaltertussi den Kopf und meinte wir sollten zu unseren Hotel zurückgehen und das Ding dort kaufen Sehr seltsam! Doch dort zeigte es sich tatsächlich, daß es auch in diesem Hotel Fahrkartenschalter gab. Doch auch hier hatten wir kein Glück: Der Zug Kiew –Berlin war restlos ausgebucht. Die nächsten freien Plätze gab es erst 5 Tage später- so ein Mist! Das nächste Mal buche ich die Rückfahrt gleich in Deutschland und zahl lieber 10-15 € mehr- soviel steht fest! Während des Frühstücks gerieten wir in Streit, was jetzt zu tun sei. Markus erklärte, er würde notfalls 5 Tage länger bleiben, was ich kategorisch ablehnte. Notfalls hätte ich mich über Rumänien und Ungarn heimgekämpft- auch wenn es deutlich teurer gewesen wäre. Doch die ganzen Überlegungen waren letztlich hinfällig, da es am selben Tag noch eine Verbindung nach Warschau (4 Stunden später) gab, wo noch 2 Plätze frei waren. Puuuh....
Nun konnte beruhigt eruiert werden, wo das Stadion war, bzw. in welchem überhaupt gespielt wurde. Denn Dynamo trägt manch internationales Spiel nicht im vereinseigenen Stadion, sondern im riesigen Olympiastadion (über 80000 Plätze) aus. Zum Glück gab es aber im Hotel Internet (70 Cent für 30 Minuten) und auf der Dynamo HP stand inzwischen, daß das Spiel im Dynamo Stadion stattfinden würde. Doch wo war das? Im Hotel konnte man uns nicht weiterhelfen, so daß wir mal wieder zum Bahnhof liefen, wo Markus ein Stadion erblickt hatte. Dies war zwar geil, aber leider das von Lokalrivale Arsenal Kiew. Doch der Kauf eines Stadtplans löste auch dieses Problem. Nach längerem Suchen fand ich das Dynamo-Stadion. Gar nicht soooo weit weg von unserem Hotel- 20 Minuten Fußweg etwa...
Also machte man sich (es war inzwischen etwa 14 Uhr) gleich auf den Weg, um Karten zu erwerben. Es hatten zwar 2 Kartenschalter offen, doch die verkauften nur Programmhefte. Auf unsere Anfrage nach Tickets ernteten wir nur ein eindeutiges „NJET“. Das Spiel war doch tatsächlich ausverkauft! Allerdings war das nicht wirklich schlimm, da massenweise Schwarzmarkthändler rumlungerten. Und so zahlten wir halt statt der normalen 4 Euro etwa 8. Sch..egal.
Die Zeit bis zum Anpfiff überbrückten wir mit Mc. D und abhängen, da wir auf Stadtbesichtigung, bzw. Kultur angesichts der Hitze keinen Bock hatten. Dabei trafen wir tatsächlich auf ein par Schweizer Fans. Gut 90 Minuten vor Anstoß (20 Uhr Ortszeit- 19 Uhr in Deutschland) öffneten endlich die Stadiontore. Der Ground war absolut geil. Reines Fußballstadion von Bäumen umrandet, sah einfach gut aus. Wir hatten sehr gute Sitzplätze auf der Mitte der Gegentribüne. Auch das Spiel war hervorragend. Es gab eine Fülle von Torchancen. Die Mehrzahl für die Heimmannschaft, aber der Schweizer Torwart hielt fast schon übermenschlich und brachte Dynamo zur Verzweiflung. Doch auch Thun versteckte sich nicht und kämpfte aufopferungsvoll, so daß das Remis nicht einmal besonders unverdient war. Sehr gut auch die Stimmung und der Support im Dynamo- Fanblock. Positiv auch, daß sich auch die wenigen Schweizer ab und zu bemerkbar machten. Insgesamt ein gelungener Abend. Negativ einzig, daß es trotz tropischer Temperaturen nichts zu trinken im Stadion zu kaufen gab- sehr unwirtschaftlich gedacht! Auf dem Weg zum Hotel fuhr tatsächlich ein Auto mit Potsdamer Kennzeichen an und vorbei. Tja, Hopper sind überall...Dann hieß es schlafen, denn morgen früh stand die Zugfahrt nach Moldawien an.