Spielberichte  /  Ausland

Sigma Olmütz - Pogon Stettin

Holger  2005/07/02

Sigma Olmütz – Pogon Stettin

2.7.05 UI-Cup
Sigma Olmütz – Pogon Stettin 1:0 (1:0)
Andruv-Stadion 3097 Zuschauer (ca. 250 Gäste)


Zum Glück gibt es den UI-Cup! Sonst würde ich wohl in der Sommerpause an Langeweile sterben. Denn Testspiele aller Art sind überhaupt nicht mein Ding. Zunächst stand sogar eine Rumänien/Ungarn Tour (ebenfalls UI-Cup) mit Hof/Saale zur Debatte. Doch als diese nicht zustande kam, war ich nicht böse. Denn ich fand, daß es mal wieder an der Zeit sei alleine was zu unternehmen. Überraschend kündigte dann am Tag vorher aber Flo noch seine Teilnahme an. Auch nicht schlecht, so würde die lange Zugfahrt wenigstens nicht so langweilig....
Und so schwang ich mich Samstag früh um 7 Uhr zunächst auf mein Fahrrad. Ja, ihr habt richtig gelesen! Denn um der geldgierigen deutschen Bahn ein Schnippchen zu schlagen, beschloß ich bis kurz vor die tschechische Grenze (Arzberg) mit dem Rad zu fahren. Denn es kann doch nicht sein, daß ca. 40 km in Deutschland teurer sind als fast 500km in Tschechien. Wo ist da die Verhältnismäßigkeit??
Die 35 Radkilometer bis Arzberg waren kein Problem. Schnell noch in der Norma ne Dose Bockwurst als Reiseproviant gekauft und schon konnte die Vogtlandbahn betreten wurden. Doch dort gab es erste Probleme: Am Arzberger Bahnhof gab es keinen Fahrkartenautomaten. Zudem war ich der irrigen Meinung, daß der Automat im Zug (ja, das gibt’s bei der Vogtlandbahn)nur Münzen nimmt. Also wartete ich einfach bis der Fahrpreis soweit gesunken war, daß mein Kleingeld reichte. Allerdings hätte ich mir auch diese 2,70 Euro sparen können, da kein Schaffner dabei war- ärgerlich. In Cheb stellte ich entsetzt fest, daß Flo mich versetzt hatte (während der Strecke Arzberg – Cheb dachte ich noch, er sei im anderen Triebwagen). Später stellte sich heraus, dass er sich in der Zugverbindung geirrt hatte. Na toll, das konnte ja öde werden...
Da ich in Cheb fast 45 Minuten Zeit hatte, konnte ich Ruhe Geld wechseln, sowie die Tschechen- Bahncard (6,50 Euro für ein Jahr) und die Fahrkarte nach Olmütz (11 Euro einfach, daran könnte sich die DB ein Beispiel nehmen).kaufen. Die Fahrt nach Olmütz war erwartet langweilig, da ich überraschenderweise meine wechselnden Abteilgenossen nicht verstand, verlief aber reibungslos. Da auch Auslandsaufenthalte mich nicht abhalten können, perfekt zu eruieren, war auch der Weg zum Ground kein Problem. Hatte doch tatsächlich einen Internet-Stadtplan von Olmütz gefunden.
Dort angekommen kaufte ich mir erstmal eine Haupttribünenkarte für 1,80 Euro(!!) und betrachtete den Ground (Allseater, reines Fußballstadion). Laut Hof/Saale der geilste in ganz Tschechien. Und in der Tat: Er war echt geil. Besonders die etwas eigentümlichen Flutlichtmasten, wo die Lichter in zwei „Bierfässern“ rechts und links vom Mast untergebracht waren, fand ich faszinierend. Auch eine der beiden Hintertortribünen sah absolut cool aus. Die Verpflegung gut: großes Baguette mit Wurst im Innern für etwa 80 Cent ist nicht zu verachten...
Zum Spiel: In der ersten Halbzeit hatte Olmütz leichte Vorteile, besonders in punkto Chancen. Etwa nach 35 Minuten dann auch das verdiente 1:0. Kurz darauf fast das 2:0, doch ein Schuss sprang vom Innenpfosten wieder raus. Kurz vor der Halbzeit dann auf einmal mächtig Rabatz im Gästeblock: Einige Stettin-Fans versuchen über die Zäune zu klettern und auf die Gegentribüne zu gelangen, worauf die Polizei mit Schlagstöcken antwortete. Zudem sprühten Ordner immer wieder mit Feuerlöschern in den Gästeblock, was von den Zuschauern, die mit mir auf der Haupttribüne saßen mit Freude und Gelächter kommentiert wurde. In der Halbzeitpause enterten dann etwa 15 Cops mit voller Montur den Gästeblock. Zunächst passierte nix, aber dann begannen sie mit Schlagstöcken auf die Polen einzudreschen, doch kurz darauf gingen etwa 100 Gästefans auf die Staatsmacht los und vertrieben sie aus dem Block. Sah voll witzig aus. Danach war es ruhig bis zum Ende, wobei die Stettiner sich wieder auf normalen Support beschränkten. Die Heimfans dagegen konnten nur mit einem ACAB Plakat überzeugen, der Support dagegen recht mäßig. Cool war aber ein etwa 50 jähriger Typ, der in der Reihe direkt hinter mir saß. Er schrie das ganze Spiel ständig „Sigma“ und „Dortmund curva“ (wäre der nächste Gegner von Olmütz), was seine Frau doch etwas peinlich fand…
In der zweiten Halbzeit war Stettin überlegen, allerdings konnten sie sich- bis auf eine Ausnahme- keine Chancen erarbeiten. Insgesamt ein durchschnittliches Spiel. Danach ging es ganz gemütlich per pedes zurück zum Bahnhof, wo ich erstmal Verpflegung für die lange Heimfahrt einkaufte. Dann musste ich erstmal 2 Stunden rumhängen. Während dieser Zeit traf ich auf ein paar Hopper aus Dresden, wobei mich einer gleich mal fragte, ob ich Hof/Saale Markus kenne. Tja, die Hopperwelt ist klein…
Als der Zug endlich eintraf gab es Probleme: Dieser war total überfüllt, so dass ich und 2 tschechische Jugendliche auf dem Gang rumstanden. Das passte der Schaffnerin nicht, und die redete wüst auf uns ein, woraufhin sich die Jugendlichen ins 1. Klasse Abteil setzten. Ich hockte mich einfach dazu, durch kurz später wurden mir schon wieder vertrieben. Dann fand ich doch noch einen Platz in einem Abteil, wo ne Mutter mit ihrem kleinen Sohn war. Die war zwar nicht begeistert über meine Gesellschaft, was ich aber ignorierte. Die Heimfahrt zog sich zäh wie Kaugummi, da die tschechischen Züge leider nicht die schnellsten sind. Schlafen konnte ich auch nicht wirklich. Zu allem Unglück blieb der Zug kurz vor Cheb auf noch fast 45 Minuten stehen, weshalb ich um ein Haar den Anschlusszug Richtung Deutschland verpasst hätte. Aber zum Glück ging es noch mal gut. In Schirnding nervten mich dann noch 2 deutsche Polizisten, denen scheinbar mein Ausweis nicht gefiel, weshalb sie ihn intensiv kontrollierten (hatten Laptop dabei). Erst als ich ihnen verklickerte, dass ich in Arzberg aussteigend muss, da dort mein Rad auf mich wartet, gaben sie mir das Teil zurück. Bin ich ein Schwerverbrecher, oder was?
Die 35km Radfahrt konnte ich dann- trotz Übermüdung- relativ problemlos meistern, ehe ich kurz vor Sonntagmittag daheim endlich den Schlaf der Gerechten fand.
FAZIT: Tschechien rules- besonders weil alles saubillig ist => werde bestimmt in der neuen Saison dem Nachbarland ab und zu mal nen Besuch abstatten!