Spielberichte  /  Ausland

Lech Posen - GKS Kattowitz

Holger  2005/04/20

Lech Posen – GKS Kattowitz

20.4.05 1 Liga Polen
Lech Posen – GKS Kattowitz 3:1 (2:1)
Stadion Lecha 6000 Zuschauer (ca. 30 Gäste)

Bilder am Ende des Berichts!

Heute sollte wieder ein neuer Länderpunkt verbucht werden(Nr.9). Und weil ich aus dem Grenzgänger (Fanzine) bzw. verschiedenen Berichten gehört hatte, daß es in Polen recht abgeht, war ich natürlich ziemlich heiß darauf. Deshalb störte mich weder die Tatsache, daß ich an diesem Mittwochmorgen mal wieder absolut nicht ausgeschlafen hatte, noch daß ich 20 Minuten auf Hof/Saale Markus warten mußte. Der traf um 8.30 Uhr in Begleitung von „Halbpole“ Lissi und Andreas ein. Da es ja in Polen nicht nur ehrenwerte Bürger gibt, hatte Markus entschiedenen einen Leihwagen zu benutzen, was durchaus meine Zustimmung traf. Trotz einiger Pausen erreichen wir relativ fix die deutsch/polnische Grenze bei Frankfurt/Oder. Dann ging es allerdings sehr zäh weiter, da kurz nach der Grenze die Autobahn in eine Landstraße mutierte, worauf massenhaft LKW’ s fuhren. Interessant dabei, daß etwa alle 3km ein Bordell und alle 5km eine Tankstelle kam....
50km vor Posen konnten wir dann wieder auf eine neue, aber fast autoleere Autobahn fahren. Scheinbar sind die 2 Euro Maut zu viel für polnische Verhältnisse. Kurz nach 16 Uhr (Anstoß 18 Uhr) erreichten wir die Stadtgrenze von Posen. Weil der Ground aufgrund der großen und imposanten Fluchtmasten schon von weitem gut sichtbar ist, wurde dieser auch schnell gefunden. Wir stellten das Auto in einer Seitenstraße in Stadionnähe ab, um dann festzustellen, daß direkt vor dem Ground auch ein großer Parkplatz war. Aber egal. Da Lissi ja in Polen geboren ist und auch die Sprache halbwegs beherrscht, übernahm er natürlich die Ticketbeschaffung. Dummerweise wurde er massiv von bettelnden Kindern und Jugendlichen belästigt, die erst Ruhe gaben, als er ihnen ein paar Zloty in die Hand drückte. Aber letztendlich hatte jeder ein Sitzplatzticket auf der Gegengerade für umgerechnet 6 Euro in der Hand. Sowas nenn ich human....
Da mein Magen massiv knurrte, suchte ich eine Imbissbude auf und vertilgte – wie in Belgien- einen Hamburger (1,10 Euro) und nen Hot- Dog (80 Cent). Beides sehr delikat für diese Minipreise. Dann ging es über moderne Drehkreuze, die sich über einen Scancode auf der Eintrittskarte öffneten, ins Stadioninnere. Wie fortschrittlich! Weniger modern dafür die Dixiklos...
Der Ground war OK. Geile Flutlichtmasten, dazu war man relativ nah am Spielfeld. Stehplätze gab es nur hinter dem einen Tor (ein Teil des Posen- Fanblocks, der andere war auf den neu erbauten Sitzplätzen hinter dem anderen Tor), und im Gästeblock. Der befand sich seltsamerweise direkt neben der Haupttribüne. Etwas störend empfand ich, daß es – bis auf ein Minidach auf der Haupttribüne- keinerlei Überdachungen gab. Denn es wehte ein heftiger Wind, was enormes Frieren während des Spiels zur Folge hatte. Lissi war derweil verzweifelt, weil die Batterien seiner Digitalkamera ihren Dienst versagten, und er das Stadion nicht mehr verlassen durfte, um sich neue zu beschaffen. So konnten lediglich mit Markus‘ Fotoapparat Bilder gemacht werden.
Die Qualität des Spiels entsprach dem Tabellenstand beider Mannschaften. Vor allem der abgeschlagene Tabellenletzte aus Kattowitz war grottenschlecht. Der Tabellenvorletzte aus Posen war doch deutlich besser und konnte insgesamt völlig verdient mit 3:1 gewinnen. Trotz des mäßigen Niveaus war der Kick aber keineswegs langweilig, im Gegenteil es gab einige Chancen, überwiegend für die Heimelf. Zudem kurz vor Schluß 2 gelb-rote Karten (jeweils 1 für beide Teams). Der Support der Heimmannschaft war OK. Meist grölten die Fans auf den Stehrängen irgendwas vor, worauf der zweite Teil hinter dem anderen Tor irgendwas anderes antwortete. Beim Einlauf der Mannschaften und nach jedem Tor wurden 4 Bengalos gezündet. Highlight war aber eine große Bengaloshow etwa 5 Minuten vor Schluß von den Posen- Fans auf den neu errichteten Sitzplätzen. Diese war scheinbar mit den Ordnern abgesprochen und absolut sehenswert. Enttäuschend dagegen die Gästefans: Gerade mal um die 30 verloren sich im Gästeblock, bewacht von 15 voll ausgerüsteten Polizisten. Stimmung und Support absolut Null, zudem ging die eine Hälfte schon zur Halbzeit(!) und 15 Minuten vor Schluß war der Block dann menschenleer. Echt schwach!!
Alles in allem bestätigten sich die Horrorgeschichten über Randale und Gefährlichkeit im polnischen Fußball zumindest in diesem Spiel absolut nicht. Ich fühlte mich zu keinem Zeitpunkt irgendwie bedroht oder unsicher. Klar lief auch einiges- pardon- Gesocks herum, andererseits aber auch viele hübsche Frauen (lechz!).
Da wir gut aus der polnischen Stadt rauskamen, konnte gleich nach Spielende die Heimfahrt angetreten werden. Auf einer Raststätte kurz hinter Posen fiel mir die ungewöhnliche Preispolitik des Landes auf: Es kostete eine 1 Liter Flasche 7 UP, bzw. Mirinda 4,99 Zloty, eine 2 Liter Flasche dieser Getränke dagegen 4,49 Zloty. Sehr seltsam! Auf der Heimfahrt verschlechterte sich meine Laune zusehends, weil wir alle 20km eine Ess-, Trink-; Pinkel-, Rauch-, Beinevertret-, und sonstige Pause machten. So kam ich statt wie geplant um 2 Uhr nachts zum NBA- Basketball schauen erst um 5 Uhr morgens in Münchberg an.
Scheiß egal: Polen rules!