Spielberichte  /  Ausland

US Triestina - AC Perugia

Holger  2005/01/09

US Triestina - AC Perugia

9.1.05 Serie B (2. Liga Italien)
US Triestina - AC Perugia 0:0
Stadio Nereo Rocco
6500 Zuschauer (100 Gäste)

Wow, hatte dieses Jahr aufregend begonnen: Zunächst bezog ich am 3.1. meine eigene Wohnung bezogen und hatte somit Mamis Rundumverpflegung und PC Nutzung gegen die persönliche Freiheit eingetauscht. Als ich mich am Abend vor der Glotze entspannte, piepste dann das Handy. Kein Geringerer als Hof/Saale Markus fragte mich, ob ich Lust auf ne kleine Italien-Tour hätte. Da ich unter akutem Fußballentzug litt und im Jahr 2004 kein einziges Spiel im Ausland gesehen hatte, fiel mir die Entscheidung – obwohl es ja nicht gerade DAS Hammerspiel schlechthin war- nicht wirklich schwer.
Und so holte mich Markus um 21 Uhr am Samstag in Münchberg ab. Zunächst fuhren wir nach Hof in seine Wohnung, wo ich Fotos von seinen Touren bewundern konnte. Mann, echt eindrucksvoll! Um 22 Uhr trafen dann auch die beiden weiteren Mitfahrer- Rene und Martin aus Halle- ein. Dann fuhren wir nach Unterkotzau, wo noch ein fünfter Mitfahrer (Name ist mir leider entfallen) zusteigen wollte. Doch wegen des akuten Platzmangels im Autos versuchten wir diesen zu überzeugen, dass es besser sei, daheim zu bleiben. Dies gelang trotz heftigen Widerstandes seinerseits auch. Zum Glück, denn lieber zahl ich 10 Euro mehr Sprit, bevor ich die ganze Tour lang eingeengt wie in einer Sardinenbüchse sitze…
Noch konnte es also endgültig gen Bella Italia gehen. Zunächst wurde allerdings noch billiger Tschechen-Sprit getankt, bevor wir über Regensburg, München irgendwann die österreichische Grenze erreichten. Irgendwo im Nachbarland fiel mir auf, dass da tatsächlich jede Menge Schnee liegt. Unglaublich, es gibt also doch Gegenden, wo es kälter ist als in Münchberg…
Auch die weitere Fahrt verlief ohne Zwischenfälle. Um etwa 8 Uhr am Sonntag früh kamen wir schließlich in der italienischen Hafenstadt an und wollten uns natürlich gleich mal den Ground anschauen. Dank der Hilfe zweier Carabinieri fanden wir ihn auch prompt. Zu unserer Überraschung war das Tor nicht verschlossen, so dass wir ungehindert hereinspazieren konnten. Und ich war überwältigt: Ein reines Fußballstadion mit über 30000 Fassungsvermögen, geilen Tribünen und einer noch geileren Dachkonstruktion. Mehr zu sehen auf den von Markus geschossenen Fotos, die hoffentlich dem Bericht noch folgen werden…
Gleich daneben lag das alte Stadion von Triestina. Auch dies fand ich nicht schlecht. Es war voll verfallen und deshalb irgendwie kultig. Allerdings stellte sich jetzt das Problem, wie wir die 7 Stunden bis zum Anstoß um 15 Uhr rumkriegen. Aber was machen echte Männer in so einem Fall? Richtig, sie gehen shoppen. So kam es, dass wir zu dritt (Rene wollte irgendwelche Sehenswürdigkeiten anschauen) die Läden unsicher machten. Zur Erklärung: In Italien haben die meisten Geschäfte auch am Sonntag offen. Während meine Mitfahrer tatsächlich fündig wurden, war ich eher uninteressiert. So was kauf ich in Deutschland auf Mamis Rechung…*g*
Aber immerhin verstrich die Zeit so relativ schnell. Um Mittag noch ne leckere Schinkenpizza verdrückt, bevor es um 13 Uhr gen Stadion ging. Dort kehrte erstmal Ernüchterung ein. 90 Minuten vor Spielbeginn war noch absolut null los und zudem waren die Eintrittspreise wucherhaft. Nichtsdestotrotz löhnte Rene 36 Euros für ne Haupttribünenkarte. Ich entschied mich nach längerem Überlegen mir – wie auch Markus und Martin- eine Gegentribünenkarte für 24 Eus zu leisten. Immerhin versprach das deutlich bessere Sicht als in der Fankurve (15,50 Euro). Leider scheiterte mein Versuch die Kassiererin zu überzeugen, dass ich als armer Student ermäßigten Eintritt verdient hätte, kläglich. Diesen gab es nämlich nur für „bambini“.
Beim Aufwärmen der Mannschaften erlebte ich eine Überraschung. In Reihen Perugias war doch tatsächlich ein bekanntes Gesicht zu sehen. Nämlich kein Geringerer als Fabrizio Ravanelli – unter dem Spitznamen „die weiße Feder“ vielen Fußballfans in Deutschland bekannt. Sehr schön, hatte ich doch gleich einen Spieler gefunden, auf den ich mich konzentrieren konnte.
Auch die ca. 100 Gästefans fügten sich gleich gut ein: Gleich nach dem Eintreffen im Stadion lieferten sie sich heiße Singduelle mit dem Heimfans. Allerdings machte sich im Verlauf des Spiels dann doch die deutliche zahlenmäßige Überlegenheit der Heimfans bemerkbar.
Diese sangen das ganze Spiel über fortwährend und –auch begünstigt durch die Bauweise des Stadions- sehr laut.
Zum Anpfiff des Spieles hatte sich das relativ große Stadion zumindest ansatzweise gefüllt. Offiziell 6500 Zuschauer und der Triestiner Fanblock immerhin zu 90% gefüllt.
Die ersten 25 Minuten waren interessant mit Chancen auf beiden Seiten. Dann aber verflachte das Spiel deutlich. Kurz vor Beginn der zweiten Halbzeit stieg eine riesige orange Rauchwolke aus dem Heimblock auf. Yeah, geil! Das war wohl das Signal für Triest die Entsteigung zu suchen. Man machte mächtig Dampf, konnte aber 4 hochkarätige Chancen nicht verwerten. Auch danach war die Heimmannschaft überlegen, konnte sich aber keine großen Torgelegenheiten mehr herausspielen. Insgesamt ein 0:0 der besseren Sorte. Von Ravanelli war so gut wie gar nix zu sehen. Tja, man merkt eben, dass sich das Alter der Haarfarbe annähert…
Nach dem Spiel ging es gleich gen Heimat. Kurz vor der Grenze zu Österreich gab es noch mal etwas Unruhe als wir nach einem weiteren Pizzabesuch – bedingt durch die besch…Ausschilderung zunächst nicht auf die Autobahn zurückfanden. Insbesondere Markus war verständlicherweise ziemlich angepisst. Aber auch bedingt durch die Müdigkeit der Wageninsassen beruhigte sich das Ganze schnell wieder. Und so erreichte ich um ca. 3.30 Uhr nachts zwar völlig übermüdet, aber um eine interessante Erfahrung reicher wieder meine Heimatstadt Münchberg.