Spielberichte  /  Ausland

Juventus Turin - Lazio Rom

Holger  2010/02/08

Endlich mal wieder Italien

Besuchte Spiele:

US Sassuolo – Salernitana 3:2 (2:0) Serie B, 30.01.10
Stadio Braglia (in Modena) 1164 Zuschauer

Sampdoria Genua – Atalanta Bergamo 2:0 (2:0), Serie A, 31.01.10
Stadio L. Ferraris 20300 Zuschauer

Juventus Turin – Lazio Rom 1:1 (0:0), Serie A, 31.01.10
Stadio Olimpico (Communale Torino) 23200 Zuschauer

Nachdem von August – Oktober 2009 endlich mal wieder ein paar neue Länderpunkte gemacht wurden(Serbien, Mazedonien, Portugal), widmete ich mich im folgenden Quartal der „Auffrischung“ von Ländern, die ich schon länger nicht mehr besucht hatte. Nach Kroatien und England (Weihnachten) sollte nun endlich mal wieder Bella Italia angesteuert werden. Stolze 5 Jahre war ich nimmer da, auch wegen der teilweise sehr schwierigen Ticketsituation.
Doch für den Doppler am Sonntag war es problemlos möglich über Internet ein Ticket zu erstehen- zu einem vernünftigen Preis (Genua 15, Juve 20 Euro). Um eine richtige Tour daraus zu machen, beschloss ich noch zusätzlich am Samstag einen Zweitligisten zu machen.
Problem ist allerdings, dass es unmöglich ist, bis 15.30 Uhr mit Zug nach Modena zu gelangen, wenn man erst am selben Tag losfährt. Ergo musste ich mich schon am Freitag bei tiefstem Winterwetter und mit leichter Erkältung auf den Weg machen.
Ich fuhr also mit dem Bayern Ticket Single bis Mittenwald. Dort ging ich Fuß über die österreichische Grenze bis nach Scharnitz. Zu Fuß???? Ja, ihr habt richtig gelesen. Problem ist nämlich, dass der letzte Zug von Mittenwald nach Scharnitz schon um 20.30 Uhr fährt. Ich wollte aber erst die letzte S-Bahn von Scharnitz nach Innsbruck nehmen (kurz nach Mitternacht), um dort nachts nicht ganz so lange warten zu müssen. Ok klingt kompliziert und als ich da so durch den Wald stampfte, verfluchte ich kurzzeitig die Idee. Doch als ich schon befürchtete mich verlaufen zu haben und nie wieder aus dem Wald rauszukommen, sah ich endlich den Ortsrand von Scharnitz. War immerhin 2 Stunden Fußweg. Am dortigen Bahnhof gab es zwar nichtmal einen Fahrtkartenautomaten, aber immerhin war der Warteraum offen, so dass sich die 1 Stunde Wartezeit erträglich gestaltete. Um 1 Uhr kam ich dann in Innsbruck an. Jetzt musste die Zeit bis 5.22 Uhr totgeschlagen werden. Zu meiner Freude war der Warteraum schön warm. Doch die währte nur kurz: Ein besoffener Typ kam rein und quatschte mich voll, also flüchtete ich. Draußen eruierte ich eine offene Dönerbude und stillte den Hunger, den der Waldspaziergang verursacht hatte. Danach lief ich mal zum Tivoli Stadion (fehlt mir noch*heul*)- war ja massig Zeit. Irgendwann wurde mir aber kalt und ich ging wieder zum Bahnhof zurück. Leider war mein „Freund“ immer noch da, also setzte ich mich auf eine Bank außerhalb des Warteraums. Dort wars zwar kälter, aber immerhin Ruhe.
Irgendwann fuhr dann endlich die S Bahn zum Brenner. Hier angekommen suchte ich hektisch den Fahrkartenautomaten, um mir ne Fahrkarte nach Verona zu lösen. Es waren nur 5 Minuten Zeit zum Umsteigen, aber ich schaffte es zum Glück. 13.15€ für 237km, da können sich die deutschen und Ösi-Bahnwucherer mal ne Scheibe davon abschneiden (zum Vergleich: Scharnitz – Brenner kostet 12.10€ sind aber nur 72km). In Verona musste ich noch einmal umsteigen und erreichte kurz vor 11.30 Uhr Modena, zum Glück lag da fast kein Schnee mehr- im Gegensatz zu uns daheim. Das Stadion war ganz in Nähe des Bahnhofs. Allerdings war die Bigletteria noch zu. Auf Nachfrage fand ich raus, dass sie um 12.30 Uhr öffnen sollte. Also hatte ich noch Zeit, die Jugendherberge, welche ich im Internet gefunden hatte aufzusuchen. Allerdings konnte ich noch nicht einchecken, da die Zimmer von 10-14 Uhr geschlossen sind. Also hing ich noch etwas rum ehe ich wieder zum Stadion ging. Nun war der Ticketschalter offen. Der Kauf war unproblematisch, ich musste zwar den Ausweis vorzeigen, aber das ist ja inzwischen überall in Italien so. Natürlich kaufte ich mir die billigste Preiskategorie für 10€ (fair!). Dann wieder etwas rumhängen, bevor ich endlich mein Zimmer in der Herberge beziehen konnte. Für 17.50€ war die Leistungs- und Sauberkeitsniveau gut. Allerdings kein Frühstück und das Handtuch kostet 2 Euro => Frechheit! Bevor ich mich wieder zum Stadion aufmachte, lernte ich meinen Zimmergenossen kennen: Einen etwas älteren Italiener, der aber etwas deutsch sprach, da er mal in Deutschland gelebt hat.
Für größere Unterhaltung blieb aber keine Zeit mehr. Auf dem Weg zum Stadion war ich erstmal genervt, da alles abgesperrt war und ich ewig außenrum laufen musste, um zum Eingang zu gelangen. Auch die Sicherheitskontrollen waren megastreng. Das Zuschauer-interesse dagegen sehr bescheiden(siehe oben!), obwohl Sassuolo (Vorort nach Modena) bei einem Sieg sich auf Platz 1 schieben würde. Die Stimmung war auch eher mäßig. Nur etwa 20 Heimfans supporteten etwas. Immerhin waren auch ca. 150 Gästefans des Tabellenletzten aus der Nähe von Neapel dabei, die aber auch nicht gerade vor Begeisterung sprühten.
Das Spiel war immerhin sehr interessant. Die bis zur 60. Minute total überlege Heim-mannschaft schaffte es fast noch in der Schlussphase eine 3:0 Führung zu vergurken, rettte aber den Vorsprung ins Ziel, auch weil der Schiri beim Stand von 3.2 den Gästen einen klaren Elfer verweigerte.
Nach dem Spiel stärkte ich mich noch im Bahnhofs-MC Donalds, bevor ich mich duschen und dann schlafen legte. Meine Nachtruhe wurde nur kurz unterbrochen, als mein Mitbewohner etwa um 22 Uhr eintraf. Doch zum Glück war dieser scheinbar auch nimmer fit, und legte sich auch zur Ruh.
Am Sonntagmorgen hieß es früh aufstehen. Kurz vor 7 Uhr fuhr mein Zug nach Genua. Doch dann ein Schock: Draußen schneite es wie Sau. Kein Joke, ein richtiges Schneetreiben. Oje, dachte ich- das kann ja lustig werden. Ich hatte echt Glück, dass das Spiel in Modena Samstag war- Sonntag wäre es bestimmt ausgefallen (wie die Partie Parma –Inter, Parma liegt in der Nähe von Modena). Nach 2 Stunden Fahrt durch heavy Schneefall wurde das Wetter endlich besser. Und siehe da: Als ich kurz nach 10 Uhr Genua eintraf, war blauer Himmel und Sonne, dazu kein Milligramm Gramm Schnee. Welch Wohltat- in unserer sibirischen Heimat werde ich wohl frühestens im April wieder grüne Wiesen + Felder sehen…
Mein erster Weg in Genua führte mich zum Sampdoria Fanshop. Dort konnte ich mir meine Karte abholen, die ich ja im Internet gekauft hatte. Witzig dabei: Die Verkäuferin drückte mir den Umschlag mit Namen +Ticket in die Hand, noch bevor ich irgendwas gesagt hatte. Mein Gott, muss ich deutsch aussehen!:-) Danach speiste ich erstmal- wie abwechslungsreich- im Mc. Donalds. Am Stadion angekommen (Anstoß 15 Uhr) war ich angenehm überrascht: Das Sicherheitspersonal vor dem Stadion und bei der Einganskontrolle war total nett und hilfsbereit. Ich durfte auch meinen Rucksack ins Stadion nehmen (zum Glück war ich zu geizig 4 Euros für die Gepäckaufbewahrung am Bahnhof zu zahlen). Stimmung war natürlich besser als beim Spiel am Vortag. Zweimal zuckte ich mächtig zusammen, weil jemand aus dem Oberrang meines Blockes einen Kanonenschlag gezündet hatte. Ich war hinter dem Tor im Unterrang- gegenüber des Sampdoria Fanblocks. Spiel war erstmal ausgeglichen, aber in der Viertelstunde vor der Halbzeit schlug die Heimelf etwas überraschend 2 mal zu.
Allerdings war leider für mich leider zur Halbzeit Zeit zu gehen. Ich hätte das Spiel gerne bis zum Ende gesehen, aber dann hätte ich Juventus nicht geschafft. Mein Zug fuhr um 16.17 Uhr, während der nächste um 18.17 Uhr zu spät gewesen wäre (Fahrzeit gut 2 Stunden). 17.17 Uhr wäre optimal gewesen, aber da fuhr halt nix. Tja, Hoppen ist eben kein Wunschkonzert.
Auf dem Weg kaufte ich mir in einem Supermarkt (hatte überraschenderweise Sonntag auf) noch etwas zu trinken – leider irgendein total komisches Gesöff, sollte eigentlich Spezi sein, schmeckte aber total strange, ehe mein Zug nach Turin auch schon startete.
Dort angekommen verlief ich mich auf dem Weg vom Bahnhof zum Stadion etwas, doch als ich gerade fragen wollte, sah ich es zum Glück schon. Ich war rechtzeitig da (19 Uhr bei 20.45 Uhr kick-off) und auch die Ticketabholung war kein Problem. Es hätte aber auch noch an den Tageskassen reichlich Karten gegeben. Tja, man merkt halt, dass Juve in einer fetten Krise steckt. Auch hier waren die Sicherheitskontrollen eher lasch- der Rucksack wurde nur oberflächlich geprüft. Mein Platz war direkt neben dem Gästeblock, was aber easy war, da die Lazio Jungs sich als brav erwiesen. Das Spiel war eher schlecht, was auch für den Ex Bremer Diego galt, den ich etwas aufmerksamer beobachtete. Nur bei einem Pfostenschuss blitzte sein Potenzial ansatzweise auf, ansonsten war er zwar bemüht, konnte aber nicht wirklich was bewegen. Dennoch sah eh nach gut 70 Minuten nach einem Juve Sieg aus, konnte man doch durch einen geschenkten Elfer in Führung gehen. Lazio konterte aber wenig später mit dem verdienten Ausgleich.
Nach dem Spiel stelle sich für mich die schwierige Frage, wie ich die Zeit bis 4.50 Uhr morgens totschlagen sollte. Denn da fuhr der erste Zug Richtung Heimat. Für ne Übernachtung war die Zeit zu kurz, fürs Warten im Winter aber eigentlich zu lang. Ich entschied mich erstmal für Hungerstillung in einer Pizza (nein, nicht im MCD*g*).
Allerdings machte diese um Mitternacht zu. Dann ging ich zum Turiner Hauptbahnhof. Der war allerdings im Umbau und deshalb voll zugig. Gerade als ich ein Eck gefunden hatte, welches minimal beheizt war, wurde ich auch schon vom Wachmann rausgeworfen, da man den Bahnhof zusperren wollte => Merda! Was tun? Es war gerade 1 Uhr, draußen wars inzwischen voll kalt. Erstmal lief ich 1 Stunde sinnlos durch die Gegend, bevor ich zufällig mit einem Typen ins Gespräch kam (vor dem Bahnhof). Der erzählte mir von einer Gaststätte, die die ganze Nacht geöffnet hatte. Nix wie hin. Darin war es zwar auch nicht wirklich warm, und zudem übles Gesocks am Start- aber das war mir egal. Ich bestellte nen Cappuccino und hockte mich einfach 2 Stunden hin. Letztendlich brauchte ich den nichtmal zahlen, weil die Kellnerin der Meinung war, dass ich schon gezahlt hatte => Grazie!
Um 4.50 ging es dann – wie erwähnt- endlich Richtung Heimat. Erst nach Mailand, dann Richtung Verona. In diesem Zug kriegte ich Panik, weil ich kurz eingepennt war und Verona nicht kam, obwohl ich lt. Fahrplan längst hätte da sein müssen. Des Rätsels Lösung: Der Zug hatte fast 1 Stunden Verspätung. Fand ich ausnahmsweise aber sogar gut, denn ich hatte in Verona stolze 2,5 Stunden(!) Aufenthalt, was sich so auf 1,5 reduzierte. Dort wollte ich eigentlich mal das Stadion angucken, war dann aber zu faul hinzulaufen. Also setzte ich mich in einen.. na was wohl? Richtig, MC. Donalds im Bahnhof?
Als ich mir die Fahrkarte zum Brenner löste, stelle ich entsetzt fest, dass die Ticketpreise genau an diesem Tag (es war der 1.Februar) fett angehoben wurden. Genauer gesagt von 13.15 auf 14.95 Euro. Ist zwar immer noch recht billig, nervte mich aber trotzdem wie Sau.
Etwas entschädigt wurde ich aber durch die herrliche Landschaft Südtirols.
Am Brenner wollte ich mir eine Fahrkarte nach Innsbruck kaufen, was aber am fehlenden ÖBB Automaten scheiterte. Als ich mich schon über ne Schwarzfahrt freute, stieg eine Station später doch noch ein Schaffner ein => schade! In Deutschland angekommen begrüßte mich Schneefall, der immerheftiger wurde, je mehr ich mich der Heimat Münchberg kam. Welch gewohntes Bild. Zum Glück klappte zumindest zugtechnisch alles, nur der allerletzte Zug hatte eine halbe Stunde Verspätung, was mir aber egal war.
Und so erreichte ich nachts um 1 Uhr zwar fett erkältet, aber um eine superinteressante Tour reicher wieder die geliebte (?) Heimat.