Spielberichte  /  Ausland

Wissa Kraków - Jagiellonia Bialystok

Holger  2009/04/29

Kleine Polen Tour zu Ostern

Besuchte Spiele:

Hutnik Kraków- Pogon 1945 Staszów 8:1 (6:0)
Stadion "Suche Stawy" (500 Zuschauer)

Wawel Kraków - Pogon Skotniki 3:4 (2:2)
Stadion Wawel (30 Zuschauer)

Wisla Kraków - Jagiellonia Bialystok 1:0 (1:0)
Stadion Wisla (12000 Zuschauer)

jeweils am 11.4.09


Das Jahr 2009 fing bei mir hoppingtechnisch – bedingt durch Tischtennis und schlechtes Wetter- sehr ruhig an. Bis Ostern stand nur St. Pauli, Bremen und ein Dreier in Ungarn + Mattersburg auf dem Konto. Aber am Osterwochende sollte endlich mal wieder was gemacht werden, zumal endlich Wärme und Sonnenschein eingekehrt waren. Was also tun? Mit Euroliner nach Serbien? Wäre ja immerhin ein neuer Länderpunkt. Ach nee, doch keine Lust. Aber Polska, das ist doch immer eine Reise wert!
Zunächst wollte ich den Doppler Rozwoj Katowice + Ruch Chorzow machen, aber dummerweise wurde ersteres Spiel auf Mittwoch vorverlegt => Ärger + neue Suche. Aber schnell war Ersatz gefunden. In Krakau war ich eh noch nie und es ging sogar ein Dreier.
Das Hauptaugenmerk meiner Tourvorbereitung lag diesmal darin, eine möglichst billige Zugfahrt zu eruieren. Denn ich war – wie immer in den letzten 8 Monaten allein unterwegs und bei meiner letzten Tour nach Ungarn hatte ich gefühlsmäßig viel zu viel fürs Zugfahren ausgegeben (z.B. Cheb – Budapest 55 Euro). Deshalb meldete ich mich sogar in einem Eisenbahnforum an, und bekam tatsächlich Hilfe.
So konnte ich am Karfreitag-Nachmittag beruhigt starten. Bis Asch nahm mich ein Nachbar für 5 Euro mit. Dann erstmal für 34 Kronen bis Cheb gefahren. Dort kaufte ich mir einen Fahrschein bis nach Bohumin an der polnischen Grenze (liegt bei Ostrava) für umgerechnet gut 20 Euro. Ist trotz gestiegener Kilometerpreise und gesunkener Ermäßigung für die tschechische Bahncard immer noch ein fairer Preis- wie ich finde. Danach noch schnell zum Auslandschalter gegangen und eine Hin-und Rückfahrtkarte von Bohumin bis zum ersten Ort in Polen (eine Weltstadt namens Zebrzydowice) für knapp 7 Euro gelöst- klappte alles wunderbar! In Prag musste ich dann umsteigen. Bis Bohumin hatte ich dann einen angenehmen Gesprächspartner: Einen Polen, der in Irland arbeitet(und deshalb relativ gut Englisch sprach), und zum Osterurlaub gen Heimat unterwegs war, zufälligerweise auch nach Krakau. Allerdings war er Cracovia Fan und sah mich doch etwas schief an, als er ich sagte, dass ich ein Spiel des „Feindes“ Wisla gucken wollte. Aber die Wogen waren schnell geglättet und so wurde es eine kurzweilige Zeit bis Bohumin.
Dort trennten sich allerdings unsere Wege: Denn während er den schnellen Zug nach Krakau nahm, wollte ich mich mit Bummelzügen durchkämpfen. Denn das spart stolze 12 Zloty und zudem wäre ich mit dem durchgehenden Zug viel zu früh in Krakau gewesen. 8:49 reicht ja locker, da das erste Spiel erst um 11 Uhr war (Hutnik). Zum Glück hatte in Zebrzydowice nachts um 3.15 tatsächlich noch der Schalter auf, so dass auch hier der Kartenkauf kein Problem war. 17 Zloty (4 Euro) für 116 Restkilometer bis Krakau- davon könnte sich die DB AG echt ne Scheibe abschneiden…
Die Zugfahrt bis Krakau verlief unspektakulär. Nur einmal schreckte ich aus meinem Halbschlaf auf: nämlich als der Zug in der Stadt Oswiecim (Auschwitz) hielt. Moment, da gab es doch vor etwa 65-70 Jahren mal irgendwas?! *grübel* Ich lugte angestrengt aus dem Fenster, um irgendwelche Blicke auf die Gedenkstätte zu erhaschen- vergeblich. Liegt wohl irgendwie außerhalb. In Krakau dann erstmal ne Rückfahrkarte bis Zebrzydowice für 29 Zloty (da schnellerer Zug) gekauft und schon konnte es zu Hutnik gehen. Doch erstmal musste die richtige Straßenbahnhaltestelle und ein Kiosk, der Tickets für diese verkauft, gefunden werden, was nach einigen Schwierigkeiten auch gelang. Leider liegt der Hutnikground doch einiges vom Hauptbahnhof entfernt (schätze 7-8km), so dass selbst eine nicht lauffaule Person wie ich lieber 2,50 Zloty für ein Straßenbahnticket investiert. Nerviger war da schon die stundenlange Eruierungsarbeit, überhaupt was über das Straßenbahnnetz in Krakau rauszubekommen…
Kurz nach 10 Uhr war ich dann da. Am Stadion natürlich – bis auf ein paar Polizisten- noch Null los. Aber wen sieht man als Erstes an der Kasse(7 Zloty Eintritt)? Natürlich Deutsche!!*grummel* Doch mein Ärger verflog schnell, beim Kielbasa Test: 6 Zlotten, lecker, ne Riesensemmel (!kein Brot) dazu- das konnte überzeugen. Das Spiel verlief dagegen sehr einseitig (siehe Ergebnis). Stimmung eher mau. Überraschend nur, dass 15 Minuten nach Spielbeginn tatsächlich noch 15 Gästefans, begleitet von fast genauso vielen Staatsdienern, den Gästeblock enterten.
Kurz vor Spielende machte ich mich dann eilig auf dem Weg, um noch vor der Halbzeit das Wawel- Stadion zu erreichen (Anpfiff 13 Uhr). Auch wenn – anstoßzeitenbedingt- bei Wawel nur 60 Minuten möglich waren- den Ground wollte ich unbedingt machen. Eine absolut kultige Holztribüne, ähnlich der Au. Nur, dass hier die Abstände zwischen den Stufen deutlich größer waren und zwischen den Blöcken Trenngitter sind. Die Gegentribüne wies einige Sitzschalen im auf. Echt schade, dass der Verein nur Letzter in der 7. polnischen Liga ist. Kasse, Eintrittskarten und Verpflegung leider Fehlanzeige.
Danach konnte ich gemütlich die nicht weite Strecke bis zum Wisla Stadion zu Fuß zurücklegen(Anpfiff 17.30 Uhr). Kartenkauf unproblematisch, da weder Fancard noch Ausweis gefordert waren. Ich entschied mich 45 Zloty für Haupttribüne zu investieren. Denn Fanblock war mit 35zl nicht soo viel billiger, und zudem: I am rich!:-) Die Wurst konnte eher nicht überzeugen, zudem mit 9zl. zu teuer. Die Stimmung war zwar nicht schlecht, aber Rauch, Cheoreo o.ä. gab es nicht. Auch ein paar Gästefans aus der Stadt Nähe weißrussische Grenze waren da (knapp 100 schätze ich), diese verhielten sich aber eher unauffällig. Im Spiel ging Wisla schnell in Führung, danach verflachte es aber. Ich muss aber zugeben, dass ich nicht so konzentriert war. Kam irgendwie ständig ins Grübeln, ob ich auf dem Rückweg noch Hradec Kralove B machen, oder eben gleich heimfahren sollte. Ich entschied mich für Option 2, da ich so 8 Stunden eher daheim wäre. Zudem ist das Stadion von Kralove B auch ewig weit vom dortigen Bahnhof weg. Und auf einen Gewaltmarsch hatte ich nach 2 mehr oder weniger durchgemachten Nächten nicht mehr wirklich Bock.
Nach Abpfiff hatte ich noch 3 Stunden Zeit bis zur Abfahrt des Zuges (kurz nach 22 Uhr). Und so suchte ich –leider vergeblich- ein Internetcafe, da ich neugierig auf die Fußballergebnisse aus Deutschland war (v.a. natürlich Bayern Hof). Und so musste ich doch das teure Internet-Terminal am Bahnhof nutzen (50 Cent für 10 Minuten). Die Wartezeit bis zur Abfahrt des Zuges kam mir ewig vor. Heimwärts ging es wieder dieselbe Route wie hinwärts, nur diesmal kam ich beim tschechischen Teil noch etwas günstiger war, da ich mir in Bohumin um 1 Uhr nachts ein CZ- Wochendticket (450 Kc) kaufen konnte. Danach wollte ich im Zug endlich etwas Schlaf bekommen, was aber nur bedingt gelang, da ständig irgendwelche seltsamen Gestalten in meinem Abteil waren. Um etwa 13 Uhr (Ostersonntag) war ich dann endlich wieder in Asch, wo mich mein Nachbar wieder abholte (DANKE!!)
Fazit: Polska ist wirklich immer eine Reise wert!:-)