Spielberichte  /  Ausland

div. Moskau - div.

Holger  2006/08/03

Moskau-Spiele

Besuchte Spiele in Moskau:

1. CSKA Moskau – Luch Energiya Vladivostok 2:1 (1:0) 3.8.06
Stadion Dinamo (6000 Zuschauer)

2. Torpedo Moskau – Dinamo Moskau 3:0 (1:0) 4.8.06
Olympiyskiy Stadion Luzhniki (6000 Zuschauer)

3. Spartak Moskau – FC Rostov-na-Donu 5:2 (5:1) 5.8.06
Olympiyskiy Stadion Luzhniki (6000 Zuschauer)

4. Lokomotiv Moskau – Amkar Perm 0:0 6.8.06
Stadion Lokomotiv (9108 Zuschauer)

5. FK Moskau – Tom Tomsk 0:0 6.8.06
Torpedo (3200 Zuschauer)
(Jeweils offzielle Zuschauerzahlen)

In Moskau angekommen, galt es erstmal das Hotel zu finden. Zum Glück hatte ich mir die Straße vorher aufgeschrieben und mit Hilfe eines eben erstandenen Stadtplans konnte so die nächstgelegene Metrostation eruiert werden. Überhaupt diente uns die Metro während des gesamten Aufenthaltes in der russischen Hauptstadt als Fortbewegungsmittel. Sie ist billig (1. Fahrt knapp 50 Cent) und –trotz kyrillischer Schrift- leicht zu verstehen. Man kauft sich einfach an der Kasse ein Ticket und kann dann umsteigen so oft man will- es gibt auch keine Tarifzonen, oder ähnlichen Scheiß.
Leider erwies sich das Finden des Hotels als weniger einfach. Wir liefen nämlich irgendwie in die falsche Richtung und fanden trotz Fragen von ca. 100 Leuten auch nicht in die richtige zurück. Keiner wußte, oder wollte wissen wo das Hotel lag. Selbst in einem anderen Hotel, daß nur eine Strasse weiter lag, wußte man es –angeblich- nicht. Folge war, daß wir beide total genervt waren (mußten ja noch das schwere Gepäck rumschleppen), als wir endlich dort ankamen. Da konnten auch die 2 geilen Uschis an der Rezeption nicht aufbauen, zumal sie gleich die nächste Hiobsbotschaft parat hatte: Es gab aufgrund von Bauarbeiten kein warmes Wasser => Skandal. Naja egal, immerhin war das Zimmer OK und das CSKA Spiel gesichert.
Als wir am Stadion ankamen fiel sofort auf, was für alle Fußballspiele gelten sollte: Unglaublich übertriebene Sicherheitsvorkehrungen. Polizei und Militär, wo man auch hinsah. Dazu Metalldetektoren (!!) und strenges Durchsuchen an allen Stadioneingängen, selbst bei Spielen, wo wenig bis nichts los war (siehe auch Zuschauerzahlen). Nach den Spielen begleiteten einen Soldatenkolonnen rechts und links bis zum Eingang der Metrostation. Unglaublich, wer Deutschland als Polizeistaat betitelt, soll mal nach Russland kommen...
Da noch etwas Zeit bis zum Anpfiff blieb (die Stadien machten auch alle erst 1 Stunde vorher auf), wurde der Hunger mit einer Art Döner gestillt. Ansonsten fiel die Ernährung recht einseitig aus: an 4 von 5 Tagen gab es Mc. Donalds. Diese Entscheidung fiel mir aber nicht wirklich schwer, da ja mein Wohnort über solch eine Einrichtung nicht verfügt und es zudem in Moskau sehr billig ist (Hamburger 50 Cent, BigMac 1,50 Euro).
Auch die Eintrittspreise in Moskau sind sehr human- mehr als 3-5 Euro mußte man für die billigste Karte nicht hinlegen. Das veraltete Dinamo Stadion gefiel mir- bis auf die Leichtathletikbahn- recht gut. Das Zuschauerinteresse war aber recht mäßig (wie bei eigentlich allen Spielen). Überraschend, daß sich etwa 20 Leute im Gästeblock verloren. Würde mich brennend interessieren, ob die wirklich aus dem über 9000 Kilometer entfernten Vladivostok kamen...Spiel dann überraschend ausgeglichen. Der Meister und Pokalsieger ZSKA gewann nur sehr glücklich, obwohl die Gäste über 1. Halbzeit mit 10 Mann spielen mussten.
Am nächsten Tag konnte zum ersten Mal das Frühstücksbuffet inspiziert werden. Es war – bis auf die Marmeladenauswahl- recht reichhaltig, sogar mit allerlei warmen Zeug(Würstchen, Bohnen,etc..). Allerdings ahnte ich da noch nicht, daß es mir spätestens am 4. Tag zum Halse heraushängen sollte.
Am diesem Freitag standen wir vor der Frage, ob wir das Derby Torpedo – Dinamo, oder lieber den Zweitliga-Spitzenverein FK Khimki ganz im Norden von Moskau schauen sollten. Denn das Luzhniki Stadion stand ja auch noch am Samstag mit dem Spartak- Spiel auf dem Programm. Doch da keine Metro nach Khimki fuhr, und im Gedenken an die furchtbar nervige Hotelsuche, entschieden wir uns dann doch pro Derby. Vielleicht war ja fantechnisch was geboten, so die Hoffnung. Allerdings sollte diese sich als fataler Irrtum erweisen...
Egal, der Reihe nach: Zunächst etwas Kultur getankt (Roter Platz) fuhren wir am Nachmittag zu dem riesigen Sportareal Luzhniki. Das Polizei- und Militäraufgebot war nochmal größer als am Tage vorher, doch im Stadion gähnende Leere. Gerade mal 5000 Leutchen verloren sich in dem 85000 Mann Bunker, der irgendwie an das Berliner Olympiastadion erinnert (Riesen-Leichtathletikbahn, Tribünenaufbau). Auch die Stimmung war sehr mäßig. OK, es spielte der Vor- gegen den Drittletzten, aber etwas mehr wäre schon wünschenswert gewesen! Das Spiel gewann die Heimelf völlig verdient mit 3:0. Skandalös , daß wir über 15 Minuten(!) nach Spielende im Block bleiben mußte, obwohl ja absolut nix los war , ehe wir endlich in umfangreicher Polizei- und Militärbegleitung den Weg zur Metro gehen duften. Naja, andere Länder, andere Sitten eben..
Am nächsten Tag wurde wieder derselbe Weg angetreten. Diesmal gleich nach dem Frühstück, denn das Heimspiel von Spartak begann schon um 14 Uhr. Diesmal war das große Stadion zwar nicht unbedingt voller, aber wenigstens machten die Spartak Fans gut Stimmung. Zudem war das Spiel deutlich besser als am Vortag: Die Hausherren überrannten den Gegner total und führten schon nach 35 Minuten mit 5:0! Kurz vor der Pause der Anschlußtreffer per Elfer. In der zweiten Hälfte dann tote Hose auf dem Rasen. Kurz vor Schluß fiel noch das 2:5 – wieder durch Strafstoß. Egal, uninteressant. Nach dem Spiel irrten wir noch über 2 Stunden durch die City, um ein Internetcafe zu finden. Doch leider vergeblich. Es gab zwar auch in unserem Hotel Internet, aber recht teuer. Und in diesen degenerieren Zeiten muß man ja auf jeden Cent achten..
Am Sonntag stand sogar ein Doppler auf dem Programm. Erst am Nachmittag zu Lokomotiv Moskau. Das gleichnamige Stadion ist meiner Meinung mit Abstand das Schönste aller Stadien in der russischen Hauptstadt. Reines Fußballstadion, einfach gut anzuschauen. Leider galt das aber nicht für das Spiel: Trotz klarer Überlegenheit schaffte die Heimmannschaft kein Tor. Immerhin war der Besuch der beste von allen 5 Spielen (10000 Fans etwa). Danach schnell zur Metro und ab zur letzten Station, dem Torpedo- Stadion. Darin spielt allerdings inzwischen nicht mehr der gleichnamige Verein, sondern Lokalrivale FK. Der 13000 Mann Ground wird etwas veraltet, aber hat doch irgendwie Flair. Überraschend, daß auch wieder einige Fans der Gastmannschaft da waren, denn Tomsk liegt mitten in Sibirien und ist bestimmt 4000km weg von Moskau. Wobei sich natürlich wieder dieselbe Frage stellt, wie beim Spiel CSKA – Vladivostok, nämlich ob die wirklich aus dem Ort waren..
Egal, das Spiel war jedenfalls unansehnlich, und so war das zweite 0:0 des Tages nicht zu verhindern. Nach dem Spiel wollte Markus noch ins Hard Rock Cafe. Dort angekommen kamen wir eher zufällig ins Gespräch mit dem ARD- Korrespondenten für Moskau. War sehr interessant! Und er hatte uns auch nicht verarscht, denn ein paar Wochen später sah ich ihn daheim tatsächlich in der Tagesschau. Dessen Dolmetscher wußte auch ein Internetcafe, doch dummerweise war es genauso teurer , wie im Hotel. Immerhin konnte so wenigstens eruiert werden, daß Bayern Hof 0:0 in FFB gespielt hatte.
Am nächsten Tag (Montag) stand die Rückreise nach Riga auf dem Programm. Leider ging unser Ecolines- Bus erst um 19 abends, weshalb Extrem-Zeittotschlagen angesagt war. Immerhin konnte wir nach einigen Mühen das letzte Schließfach fürs Gepäck am Bahnhof ergattern. Rein zufällig fanden wir doch noch eine billige Surfmöglichkeit-in einer Poststelle. Das half natürlich beim oben erwähnten Zeittotschlagen enorm. Mitten in der Nacht wieder an der Grenze zu Lettland und wieder dasselbe Prozedere: Raus aus dem Bus, Gepäck raus und in eine versiffte Halle. Diesmal durften wir nach der Passkontrolle nicht durch, sondern mußten sogar noch in irgendeinen Nebenraum, was schon wieder schlimmste Befürchtungen hervorrief (siehe Moldawien-Bericht!). Aber der Grenzer lachte nur, sagte: „Germania,gut,gut..!“ – und schon war der Fall erledigt. Dienstag früh um 8 erreichten wir wieder Riga. Doch Ausruhen war nicht, denn der nächste Länderpunkt(Litauen) sollte verbucht werden.