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Fanclub  2010/05/15

Interview mit Christian Karl am 07.05.2010

B.H.F.C.:
Hallo Christian,
zunächst einmal vielen Dank, dass Du Dich so kurzfristig für ein Interview mit den „bösen Fans“ zur Verfügung gestellt hast!
Christian:
Kein Problem!
Ich hatte mit den Fans in den fünf Jahren, in denen ich bei den Bayern war, nie Schwierigkeiten und fand die ganzen Querelen der letzten Wochen vielleicht auch ein wenig übertrieben.
Ich denke, da hat sich auch Manches hochgeschaukelt!

Thema Fans
B.H.F.C.:
Wie beurteilst Du denn das Verhältnis zwischen Mannschaft und Fans allgemein?
Und gibt es vielleicht innerhalb der Mannschaft oder von der sportlichen Leitung eine Anweisung an einzelne Spieler nach dem Spiel nicht zu den Fans zu gehen?
Christian:
Das Verhältnis zu den Fans ist momentan ein wenig angespannt, was auch mit dem Verhalten einzelner Anhänger gegenüber manchen Spielern zu tun hat.
Es ist klar, dass sich bei schlechten Spielen auf den Rängen schnell Unmut regt, aber persönliche Beleidigungen müssen nicht sein und die helfen auch Niemandem.
Gerade bei Michael Bock gingen da auch manche Rufe unter die Gürtellinie!
Allerdings muss ich auch zugeben, dass diese Dinge oftmals nicht unbedingt aus dem Fanblock bzw. Fanclub kommen. Auf der Holztribüne geht’s da manchmal weitaus schlimmer zu – das hört man aber halt nicht so und wird z.B. auch von der Presse nicht weiter zur Kenntnis genommen.
Als Spieler in der Bayernliga sollte man vielleicht aber auch fähig sein, sowas auch zu überhören, etwas dickhäutiger sein und das alles nicht so persönlich zu nehmen.

B.H.F.C.:
Nach dem Auswärtssieg in Frohnlach gab es ja kürzlich einige Diskussionen, die auch letztendlich zu einem Fanboykott führten.
Wie beurteilst Du die Vorfälle aus Deiner Sicht?
Christian:
Ich war leider nur als Zuschauer in Frohnlach und fand die Stimmung der Fans überragend!
Dass die Fans dann ein wenig enttäuscht waren, als die Spieler anschließend nicht zu den mitgereisten Anhängern gekommen sind, kann ich schon verstehen.
Ich fand es grundsätzlich immer super, dass so viele Fans ihre Zeit und auch ihr Geld investiert haben, um ihr Team auch bei teilweise weit entfernten Auswärtsspielen zu unterstützen. Das ist nicht selbstverständlich und man sollte das auch anerkennen und froh sein, dass sich so viele Leute für den Verein und die Mannschaft interessieren.
In anderen Bayernligavereinen sieht das oft anders aus…


Thema Freistellung
B.H.F.C.:
Wie in den letzten Tagen zu hören, und auch in der Frankenpost zu lesen war, wurdest Du ja letzten Donnerstag vom Verein suspendiert bzw. freigestellt.
Was hat man sich darunter vorzustellen?
Christian:
Leider stimmt das!
Mir wurde am Donnerstagabend nach dem Training vom Teammanager per Telefon mitgeteilt, dass ich ab sofort vom Trainings- und Spielbetrieb freigestellt werde und gleichzeitig wurde mir die Erlaubnis gegeben, mich bei anderen Vereinen fit zu halten, was ich derzeit auch in Anspruch nehme.
Als Begründung wurde mir gesagt, der neue Trainer wolle ab sofort nur noch mit Leuten arbeiten, die dem Verein im Abstiegskampf helfen können und noch nicht abgeschlossen haben. Mir zu unterstellen, dass ich die Mannschaft im Abstiegskampf nicht unterstützen wolle und bereits abgeschlossen habe, empfinde ich nach fünf Jahren als Stammspieler, der immer alles gegeben hat und dies auch bis zum Schluss getan hätte, als Alibi-Grund.
Ich hätte mir nach fünf Jahren in der 1. Mannschaft von Bayern Hof gewünscht, wenigstens noch bis zum Ende dieser Saison im Kader der Bayernligatruppe zu stehen und am Saisonende dann einen offiziellen und „normalen“ Abschied zu bekommen. Dies ist aber anscheinend bei Bayern Hof nicht möglich. Naja, vielleicht erwartet man einfach nach fünf Jahren zu viel von manchen Verantwortlichen. Trotzdem verlasse ich die Bayern auch jetzt im Guten und möchte auch nicht nachkarten oder irgendwie schlecht reden, nur weil ich nicht mehr dabei bin.
Auch wenn ich den Entschluss den Verein zu verlassen bereits Ende März nach einem Gespräch mit Thomas Kost, in dem er mir Gründe für meine Nichtberücksichtigung in der 1.Mannschaft nannte, die für mich keine waren, gefasst hatte, hätte ich mich doch gerne für Einsätze in der Fohlenelf zur Verfügung gestellt und wäre auch bis zum Ende der Saison dazu bereit gewesen. Dies wäre ein normaler Vorgang gewesen und nicht eine Freistellung, bei der die Meisten denken, es sei etwas vorgefallen, was man jetzt nur nicht in die Öffentlichkeit bringen will. Das war definitiv nicht der Fall.
Der finanzielle Aspekt beim Engagement bei Bayern Hof spielte für mich auf jeden Fall immer eine untergeordnete Rolle und war auch nicht ausschlaggebend für die Freistellung!

B.H.F.C.:
Du bist ja, spätestens seit der Übernahme durch Thomas Kost, nie mehr so richtig zum Zug gekommen. Kannst Du Dir vorstellen, woran das gelegen haben könnte oder hast Du eventuell selbst Fehler gemacht, die dazu geführt haben könnten?
Christian:
Keine Ahnung!
Ich kann nur sagen, dass ich versucht habe in den Spielen immer alles zu geben und mir das meiner Meinung nach auch gut gelungen ist, was aber letztendlich Andere beurteilen müssen!
So richtig vorwerfen kann ich mir auf jeden Fall nichts.

B.H.F.C.:
Du wärst ja, sowohl vom Alter her als auch aufgrund der Tatsache dass Du aus der Region bist, eigentlich ein perfekter Spieler für das sogenannte „Jugendkonzept“.
Warum wurde dann trotzdem nicht mehr mit Dir geplant? Eigentlich unverständlich, oder?
Christian:
Hm – das „Jugendkonzept“, wie es in der Presse oder auch bei Euch dargestellt wird, gibt es in dieser Form nach Aussagen der Offiziellen gar nicht.
Grundsätzlich finde ich es gut, dass in der Zukunft verstärkt auf Eigengewächse und Spieler aus der Region gesetzt werden soll. Hierdurch können sich auch die Zuschauer und Fans vielleicht wieder mehr mit der Mannschaft und dem Verein identifizieren. In den letzten Jahren kam es ja zu sehr vielen Zu- und Abgängen. Manche Spieler waren immer nur kurze Zeit hier und man konnte manchmal auch den Eindruck haben, dass denen der Verein eigentlich eher egal ist.
Bei Spielern aus der eigenen Jugend, wie ja auch ich einer war, ist die Bindung zum Verein normalerweise wesentlich höher.
Unter Thomas Kost wurde die Devise ausgegeben, dass grundsätzlich nur die Leistung ausschlaggebend sei und nicht das Alter der jeweiligen Spieler.
Ob viele der nun eingesetzten Jugendspieler unbedingt besser sind als manche erfahrenere Mannschaftskameraden, muss allerdings jeder für sich selbst beurteilen?!

B.H.F.C.:
Weißt Du denn schon, wohin Dich Dein weiterer sportlicher Weg führen wird?
Christian:
Ich hatte schon zu Beginn des Jahres Anfragen von anderen Vereinen, mit deren Verantwortlichen ich mich getroffen und unterhalten habe.
Ich gehe aber stark davon aus auch in den nächsten Jahren in der Bayernliga zu spielen.

B.H.F.C.:
Wie siehst Du persönlich rückblickend betrachtet Deine Zeit bei Bayern Hof?
Christian:
Es war eine sehr schöne Zeit, in der ich viele gute Erlebnisse mit Trainern, Mannschaftskameraden und auch Fans hatte. Also auf jeden Fall durchwegs positiv!

B.H.F.C.:
Gab es ein Erlebnis bei Bayern Hof, sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht, das Dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Christian:
Hm – mal überlegen:
Also, auf jeden Fall die Aufstiegsfeier 2006 und der bewältigte Nichtabstieg in der vorletzten Saison, als wir für viele quasi schon sportlich tot waren.
Das waren Sachen, an die ich mich sehr gerne zurück erinnere!


Thema momentane Situation
B.H.F.C.:
Wie beurteilst Du die aktuelle sportliche Situation?
Und warum hat man es in dieser Saison nicht geschafft, mit einer eigentlich von der Papierform her guten Mannschaft die sportlichen Ziele zu erfüllen?
Immerhin galt man unter den Trainern der Bayernliga vor der Saison teilweise als Meisterschaftsfavorit…
Christian:
Ich denke, die Mannschaft kann von den individuellen Möglichkeiten wesentlich mehr als in dieser Saison gezeigt wurde!
Man kam auch zu Saisonbeginn mit einem Punkt in Schalding und dem gewonnenen Heimspiel gegen Memmelsdorf eigentlich recht gut rein. Nach der Auswärtsniederlage in Unterhaching war dann aber irgendwie der Wurm drin und spätestens nach dem Derby gegen Bayreuth fehlte ein wenig das Selbstvertrauen. Das ganze war und ist wohl eher ein Kopfproblem!

B.H.F.C.:
Wie ist denn die momentane Stimmung in der Mannschaft und gibt es vielleicht, was man immer mal hört, eine Grüppchenbildung?
Christian:
Die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist aus meiner Sicht eigentlich recht gut!
Es gibt zwar vielleicht den einen oder anderen Spieler, der etwas unzufrieden ist, weil er nicht so zum Zug kommt wie er sich das vorstellt oder sich einfach nicht so wohl fühlt. Das ist aber normal!
Auf jeden Fall gibt es aus meiner Sicht keine Quertreiber, die irgendwie versuchen Unruhe rein zu bringen. Das war früher auch mal anders!

B.H.F.C.:
Wer war das früher zum Beispiel?
Christian:
Dazu möchte ich lieber nichts sagen!

B.H.F.C.:
Man konnte im Laufe der vergangenen Jahre manchmal den Eindruck gewinnen, als ob die Mannschaft mit fast keinem Trainer so richtig zu Recht kommt oder so richtig zufrieden war. Wie siehst Du das?
Christian:
Das würde ich so nicht sagen!
Mit Thomas Kost zum Beispiel war die Mannschaft fachlich recht zufrieden.
Er hatte gute Trainingsmethoden, die das Team anscheinend nur nicht umsetzen konnte.
Ich fand auch Micha Voigt, Hendrik Schödel und Armin Eck recht gut, vor allem menschlich in Ordnung und kompetent. Bei Micha Voigt konnte ich nicht verstehen, warum ihm vorgeworfen wurde, dass er die Mannschaft in einem körperlich schlechten Zustand oder gar zerstritten hinterlassen hatte. Das war aus meiner Sicht nicht so!
Auf Andi Singer möchte ich hier gar nicht eingehen, denn mit dem hatte jeder so seine Schwierigkeiten.
Das war aber vielleicht auch ein Generationsproblem!

B.H.F.C.:
Thema Thomas Kost: Wie siehst Du seinen Rücktritt?
Christian:
Na ja, wie gesagt, seine fachliche Leistung war unbestritten gut.
Um als Trainer in der Bayernliga, auch bei einem Verein wie Bayern Hof, erfolgreich zu sein, reicht das allerdings wohl nicht aus. Vielleicht ist er insgesamt etwas zu verbissen an die Sache heran gegangen?!
Ich persönlich war überrascht, dass er sich von Zurufen der Zuschauer so aus dem Konzept hat bringen lassen. Ein „Profitrainer“ sollte da vielleicht ein etwas dickeres Fell haben!

B.H.F.C.:
Jetzt eine der brennendsten Fragen überhaupt:
Wurde unter Thomas Kost von den Spielern heimlich Fleisch konsumiert?
Christian (lacht):
Nein, nein!
Es war auch nicht so, wie vielleicht gerüchteweise zu hören war, dass die Spieler sich an Ernährungspläne halten mussten oder es ein Verbot verschiedener Speisen gab.
Lediglich direkt nach den Spielen gab es ein Alkoholverbot! Das aber hauptsächlich, weil es für den Körper schlecht ist, wenn man nach einer großen körperlichen Anstrengung alkoholische Getränke zu sich nimmt.
Die Spieler müssen halt selbst auf ihre körperliche Fitness achten und eigenverantwortlich damit umgehen!

B.H.F.C.:
Warum gibt es eigentlich keinen Mannschaftsrat mehr?
Christian:
Der wurde von Thomas Kost wieder abgeschafft!
Wir hätten den Mannschaftsrat eigentlich gerne behalten, weil er ein gutes Bindeglied zwischen Mannschaft und Vereinsführung war.

B.H.F.C.:
Es gibt auch verschiedene Gerüchte, dass die Mannschaftsaufstellung gar nicht vom momentanen Trainer Daniel Felgenhauer gemacht werde und ihm da andere Personen aus der sportlichen Leitung reinreden würden. Ganz nach dem Motto: Viele Köche verderben den Brei! Wer hat im sportlichen Bereich eigentlich momentan das Sagen?
Christian:
Dazu möchte ich mich lieber bedeckt halten!
Das Sprichwort ist mir aber auch bekannt.
Man kann vielleicht sagen, es kommt weniger auf die Anzahl der Köche an, als auf deren Qualität… ;-)

B.H.F.C.:
Was führte aus Deiner Sicht eigentlich zum Rausschmiss von Betreuer Popper?
Christian:
Wie das genau abgelaufen ist, weiß ich leider nicht!
Ich kann nur sagen, dass ich es schade finde, dass Popper nicht mehr da ist, da er immer, wie die anderen Betreuer auch, viel für den Verein gemacht hat.
So ganz verstanden habe ich es auf jeden Fall nicht, ist der Popper doch ein riesen Typ!
Aber das war ja nicht der einzige Rausschmiss der Saison, der bei vielen nur mit Kopfschütteln kommentiert wurde. Denke ich dabei nur an Sascha Prell, Thomáš Bauer, Rene Schildt usw.

B.H.F.C.:
Christian, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast und so ausführlich auf unsere Fragen eingegangen bist.
Wir wünschen Dir viel Glück, sowohl im privaten, beruflichen als auch im sportlichen Bereich! Vielleicht nicht unbedingt bei der SpVgg Bayreuth… ;-)
Es wäre auf jeden Fall schön, wenn wir Dich mal wieder bei uns auf der Au als Spieler oder auch als Zuschauer begrüßen könnten!
Christian:
Euch auch viel Glück und auf diesem Wege möchte ich mich noch ganz besonders bei Claus Lippert, der mich immer unterstützt hat und aus meiner Sicht einer der wenigen Personen in diesem Verein mit Führungsqualitäten war, Schubi, Rudi, Popper und Erika bedanken.
Macht`s gut!



Das Interview führten Carsten Groß und Alexander Borgs.