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Andi  2004/11/15

Presseberichte zum "Fall Bayreuth"

Folgende Artikel finden sich in der heutigen Frankenpost (www.frankenpost.de):


BAYREUTH SCHICKT 1. MANNSCHAFT NACH HOF
„Fairness mit Füßen getreten!“


HOF – Mächtig Ärger gab es am Samstag beim Landesliga-Spiel der Hofer Bayern gegen die SpVgg Bayreuth II: Der Bayreuther Trainer Gino Lettieri, von 1997 bis 2000 auch in Hof als Trainer tätig, ließ die komplette Bayernliga-Mannschaft antreten, deren Spiel am Tag zuvor gegen Weiden abgesagt worden war. Die höherklassigen Bayreuther gewannen 3:1 und versetzten damit Hof einen herben Dämpfer im Kampf um den Wiederaufstieg in die Fußball-Bayernliga. „Die pure Wettbewerbsverzerrung“, schimpften die Gastgeber. Die Fairness sei mit Füßen getreten worden.
Allerdings: Lettieris „grobe Unsportlichkeit“ ist nach den Fußball-Regeln erlaubt. Die Bayern-Führung, die von einem „einmaligen Fall im deutschen Amateur-Fußball“ und einer „beispiellosen Charakterlosigkeit Lettieris “ spricht, will alles versuchen, um eine Annullierung des Spiels zu erreichen.
In einem Brief fordert Vorsitzender Reiner Denzler den Fußball-Verband auf, das unsportliche Verhalten der Bayreuther nicht zu tolerieren. Denzler: „Die SpVgg Bayreuth hat dem Amateur-Fußball und dem Verhältnis zwischen den beiden oberfränkischen Traditionsvereinen einen immensen Schaden zugefügt.“ Denzler hofft, dass der frisch gewählt Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes, Dr. Rainer Koch, ein Signal setzt.



Bayern-Führung: „Spiel muss annulliert werden“

Die Bayern-Führung weiß, dass das Regelwerk gegen sie spricht. Dennoch will sie alles versuchen. „Das sind wir unseren Spielern und Fans schuldig“, betonte Vorsitzender Reiner Denzler, der wie alle Verantwortlichen außer sich war. „Wir fordern den BFV auf, das Spiel neu anzusetzen.“ Zweiter Vorsitzender Claus Lippert sprach von einer beispiellosen „Charakterlosigkeit“ der Bayreuther und meinte damit insbesondere Trainer Gino Lettieri.
Die Hofer wollen auch alle Vereine der Bayern- und Landesliga anschreiben und auf den im deutschen Amateur–Fußball „einmaligen Fall“ hinweisen. Der sportliche Leiter Herbert Börner machte neben den Bayreuthern noch einen zweiten Schuldigen ausfindig. „Der Schiedsrichter ließ jegliches Fingerspitzengefühl vermissen. Er wusste genau, was sich in Hof abspielte und bevorzugte in zwei entscheidenden Situationen die unsportlichen Gäste.“ Am Ende waren sich alle einig: „Moralische Sieger sind wir.“ P.L.



KOMMENTAR
Legaler Betrug


VON PETER LANGER
Was der Bayreuther SpVgg-Trainer Gino Lettieri am Samstag in Hof veranstaltet hat, ist – leider – legal. Das Amateur–Regelwerk sagt:
Fußballer aus Regionalliga und Bayernliga müssen eine zweitägige Schonfrist einhalten, um in der Reserve ihres Vereins spielen zu dürfen, von der Landesliga abwärts sind zehn Tage einzuhalten.
Was immer sich die Fußball-Juristen da ausgedacht haben -– spätestens seit Samstag, 13. November 2004, ist der Unsportlichkeit Tür und Tor geöffnet. Dass Lettieri, einst als Trainer-Neuling auch in Hof tätig, die Schwäche des Regelwerks kaltblütig ausgenutzt und den sportlichen Wettbewerb verzerrt hat, ist deshalb eine Frage der Moral, eine Frage der Werte. Wie weit darf ich gehen, um sportlichen Erfolg zu erreichen? Lettieri hat sich selber entlarvt, als er feige der Pressekonferenz fernblieb. Seine Unsportlichkeit verbirgt er hinter Floskeln. Die Mannschaft müsse im Rhythmus bleiben und brauche Spielpraxis. War und ist er sich über die Tragweite seiner Entscheidung bewusst? Das seit dem schweren Foul an Rudi Collins und dem einhergehenden Abstieg aus der Bayernliga (SpVgg-Präsident Wicklein: „Endlich sind sie draußen“) ohnehin strapazierte Verhältnis zwischen den oberfränkischen Traditionsvereinen hat möglicherweise den Todesstoß versetzt bekommen.


FUSSBALL-LANDESLIGA NORD: BAYERN HOF BOT DER BAYREUTHER BAYERNLIGA-TRUPPE LANGE ZEIT PAROLI
Schwacher Trost: Ehre statt Punkte


Spätestens in der 40. Minute dürfte der letzte Zuschauer auf der Grünen Au begriffen haben, wer da dem FC Bayern Hof gegenübersteht: „2:0 für die Bayernligamannschaft der SpVgg Bayreuth“, verkündete Stadionsprecher Jürgen Schmidt. 40 Minuten später verdeutlichte er die Situation: „Anschlusstor für den Landesligisten.“ Was der Mann dem unbedarfteren Zuschauer so erläuterte, das wussten die, die näher dran sind am FC Bayern Hof natürlich schon mit dem Anpfiff: Gino Lettieri, der rechtzeitig vor dem Schlusspfiff abtauchen sollte, hatte sein komplettes Bayernligateam in die Trikots der zweiten Mannschaft stecken lassen. Dass dies sein Alleingang gewesen sein könnte, verdeutlicht ein gerüchteweise überliefertes Telefonat. Heinz Wicklein, Präsident der SpVgg Bayreuth, habe sich per Mobiltelefon in der ersten Halbzeit erkundigt, welche Mannschaft denn aufgelaufen sei und auf die Besetzung mit Worten reagiert wie: Der habe sie nicht alle, der Italiener.



ENTSETZTE HOFER BAYERN UND EIN FAST SPRACHLOSER BAYREUTHER-AMATEURTRAINER
„Unsportlichkeit, feige Aktion“


Selten ist eine Pressekonferenz so gespannt erwartet worden wie am Samstag, in der „Kärng“, dem Allerheiligsten quasi, unter dem Dach des Stadiongebäudes auf der Grünen Au in Hof.
Seltener war einer mehr fehl am Platz als am Samstag Werner Thomas. Das Absurde an seiner Situation benannte er in einem an sich banalen und völlig sachlichen, korrekten ersten Satz: „Ich bin Trainer der zweiten Mannschaft der SpVgg Bayreuth.“ Gespielt aber hatte die erste Mannschaft – komplett. Und so fügte Thomas sofort an: „Eigentlich müsste hier jemand anderes sitzen.“ Er musste den Namen nicht nennen, einige andere wollten den Namen nicht nennen, wie er. Doch jeder wusste, wer gemeint war: Gino Lettieri, Trainer des Bayreuther Bayernliga-Teams, der seit seinem geräuschvollen Abschied aus Hof im Jahre 2000 auf seinen früheren Brötchengeber offenbar derart schlecht zu sprechen ist, dass er jede Chance sucht, den Bayern Ungemach zu bereiten, und sei es, indem man die komplette erste Mannschaft als zweite ins Rennen schickt, um dem Gegner vielleicht den Wiederaufstieg in die Bayernliga zu vermasseln. Die Frage, ob die Aktion auf „Befehl von ganz oben“ zurückgeht, verneinte Thomas und fügte an: „Viele (Verursacher) bleiben nicht mehr übrig.“
„Wir sind Zeuge einer beispiellosen Unsportlichkeit geworden, begangen durch die Spielvereinigung Bayreuth.“ Mit diesen Worten, die an seinen Juristen-Beruf erinnern, eröffnete Jürgen Schmidt die Pressekonferenz. Als Moderator – und Stadionsprecher – müsse er sich mäßigen, hatte er vorhergeschickt. Die Mäßigung erlaubte ihm zumindest noch die Worte anstandslos und ehrlos.



folgende Artikel wurden aus dem Nordbayerischen Kurier zitiert:

Hofer Trainer: "Feige Altstädter Aktion"
"Erste" der SpVgg gewann Landesliga-Duell in Hof FUSSBALL


Von Andreas Bär
Das Regelwerk im deutschen Fußball erlaubt mit Duldung der zuständigen Verbände einiges, was fast an Perversion grenzt. Wozu dies führen kann, hat die SpVgg Bayreuth bei ihrem 3:1 (2:0)-Sieg der Landesligamannschaft beim Erzrivalen FC Bayern Hof eindrucksvoll gezeigt.

Durch diesen Erfolg rückten die Altstädter Reservisten im Klassement der Landesliga auf den zwölften Platz. Allerdings hatte dieser Dreier einen mehr als bitteren Beigeschmack: Auf dem Papier stand als Hofer Gast zwar die Reserve der SpVgg Bayreuth, auf dem Platz freilich stand die Elf, die - hätte die Bayernliga-Begegnung gegen die SpVgg Weiden statt gefunden - auch gegen die Oberpfälzer aufgelaufen wäre. "Ich will im Spielrhythmus bleiben", rechtfertigte der Altstädter Cheftrainer Gino Lettieri diesen höchst umstrittenen "Schachzug", der den zuletzt eher guten Beziehungen zwischen den oberfränkischen Nachbarvereinen wohl auf Dauer einen tiefen Riss verpasst.

[...]

Trainerstimmen Thomas Kost
(FC Bayern Hof): "Wir hatten viele interne Diskussionen, ob wir das Spiel stattfinden lassen sollen. Ich habe dafür plädiert, da der sportliche Wettkampf im Spiel stattfindet. Wir haben ein gutes Spiel auf durchschnittlichem Bayernliganiveau gesehen, das überdurchschnittliches Landesliganiveau hatte. Leider hat uns die nötige Konsequenz vor dem Tor gefehlt um einen Sieg zu erringen. Man hat aber gesehen, dass wir mithalten können. Was die SpVgg Bayreuth hier gemacht hat, ist wohl beispiellos im deutschen Amateurfußball. Über die Regelung wird viel diskutiert und Bayreuth beschwert sich sehr oft darüber. Aber es gehört nun einmal dazu, dass Leute aus der ersten Mannschaft in der zweiten eingesetzt werden dürfen - schließlich ist es erlaubt. So wie es ablief, ist es aber Wettbewerbsverzerrung und ich finde es höchst unsportlich. Es war eine feige Aktion der SpVgg."
Werner Thomas
(SpVgg Bayreuth II):
"Ich möchte vorwegschicken, dass ich Trainer der zweiten Mannschaft bin und eigentlich ein anderer hier sitzen müsste, aber ich bin Manns genug, mich den Fragen hier zu stellen. Hof hat eine sehr gute Partie gezeigt, war laufstark und hat gut kombiniert. Eigentlich hätten sie sich mehr verdient gehabt. Zu meiner Mannschaft will ich nicht viel sagen, da ich es nicht kann."



KOMMENTAR
Eine Chance verpasst


von Herbert Steininger
Die Statuten des DFB erlauben es, die SpVgg Bayreuth erlebt es immer dann, wenn sie gegen die so genannten Amateurmannschaften antreten muss - es wird "gestopft", was das Zeug hält, soll heißen, die zweiten Mannschaften werden mit Spielern aus der ersten Garnitur verstärkt. Nun haben die Altstädter selbst diese Chance genutzt - aber in welchem Umfang und mit welchen Folgen? Nicht drei, vier oder fünf Akteure aus der Bayernliga kamen im Landesliga-Gastspiel der Reserve auf der Grünen Au zum Einsatz, sondern die Elf, die am vergangenen Wochenende den 2:1-Bayernligaerfolg in Memmingen zustande brachte.
Kein Wunder, wenn der Gastgeber von einer Wettbewerbsverzerrung spricht. Vielleicht fehlen den Hofern am Ende gerade diese drei Punkte zum Aufstieg. Das ohnehin angespannte Verhältnis zum Nachbarverein wird sich dadurch jedenfalls nicht verbessern. Und auf der Jakobshöhe selbst? Das Selbstbewusstsein der Spieler der zweiten Mannschaft dürfte ebenfalls einen nicht unwesentlichen Knacks erlitten haben. Sicherlich werden die Altstädter Verantwortlichen davon sprechen, dass sie lediglich die Möglichkeiten ausgeschöpft haben, die einem der DFB geradezu aufdrängt. Doch hätte man enormes Ansehen nicht nur in Oberfranken gewonnen, wäre auf eine derartige Maßnahme verzichtet worden. Diese Chance hat die SpVgg Bayreuth verpasst. Schade eigentlich.