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Lars  2004/09/12

Pro Fusion: Das Herz sagt nein, der Verstand sagt ja

So viel vorneweg: Auch mir fällt die Entscheidung zu Gunsten einer Fusion zwischen dem FC Bayern und der SpVgg Hof nicht leicht. Der FC Bayern Hof ist „mein“ Verein, auf seine Tradition bin ich stolz. Bei aller Freude darüber, dass unter dem neuen 2. Vorsitzenden Claus Lippert nach und nach professionelle Strukturen an der Oelsnitzer Straße errichtet werden, vergesse auch ich nicht: ein Fußballklub ist kein bloßes Wirtschaftsunternehmen, dessen Identität man ohne Weiteres aufgeben könnte. Gerade Traditionsvereine sind für Tausende von Fans Heimat, Leidenschaft und große Liebe.


Es ist wahr: Wer keine Geschichte hat, hat keine Zukunft. Gleichzeitig gilt aber auch: Wer nur in der Vergangenheit lebt, hat auch keine Zukunft. Vor lauter Schwelgen in der ruhmreichen Vergangenheit dürfen wir nicht die Augen vor den Realitäten der Gegenwart verschließen. Die Entscheidung, vor der der FC Bayern Hof im Frühjahr 2004 stand, lautete nicht, Tradition bewahren oder Fusion, sondern Tradition beerdigen oder Fusion. Mit anderen Worten: Der FC Bayern Hof stand in der Spielzeit 2003/04 kurz vor der Pleite.

Erinnern wir uns: In der Winterpause wurde deutlich, dass sich der FC Bayern Hof seinen sportlichen Erfolg - zwei Seniorenmannschaften in den beiden höchsten Amateurspielklassen - finanziell nicht mehr leisten konnte. Selbst nachdem die erste Mannschaft den Klassenerhalt in der Bayernliga verfehlt hatte und folglich auch die zweite Mannschaft den Zwangsabstieg beschreiten musste, blieben die Ausgaben des Vereins weiterhin über den Einnahmen.

Die Verantwortlichen standen vor einem Dilemma. Würde man die zweite Mannschaft vom Spielbetrieb zurückziehen um Geld zu sparen, hätte der Verein damit seinen sportlichen Unterbau verloren. Mit der zweiten Mannschaft hätte der FC Bayern Hof ein wichtiges Bindeglied zwischen Senioren- und Nachwuchsabteilung verloren und wäre mittelfristig in den Niederungen der Kreisliga versunken.

Doch es kam noch schlimmer. Die Abmeldung der zweiten Mannschaft - im Mai von einer außerordentlichen Mitgliederversammlung beschlossen - hätte das Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben zwar ein wenig verbessert. Der neue 2. Vorsitzende Claus Lippert musste nach seinem Amtsantritt aber noch zusätzlich zu seinen Sponsorengeldern eine sechsstellige (!) Summe in den Verein hineinpumpen, um den Spielbetrieb der 1. Mannschaft in der Landesliga überhaupt gewährleisten zu können. Ohne Lipperts großzügigen Einsatz gäbe es den FC Bayern Hof heute wohl nicht mehr.

Es ist nur allzu verständlich, dass Lippert nicht das Lebenseinkommen einer deutschen Durchschnittsfamilie in den Verein investiert hat, um sich drei Jahre später ein Auswärtsspiel der Gelb-Schwarzen bei der SG Regnitzlosau anzuschauen. Wie jeder Sponsor wollte die Firma Getränke Lippert die Gewähr haben, dass der aufgewendete Betrag beim FC Bayern Hof so gut wie möglich angelegt sein würde. Gut angelegt heißt für Lippert mittelfristig „mindestens Regionalliga“, wie er auf einer Sponsorensitzung am 19. Juli dem erstaunten Publikum mitteilte.

Wie aber sollte der FC Bayern Hof eine Etappe auf diesem Weg - den bloßen Wiederaufstieg - meistern, wenn er sich nicht einmal den Spielbetrieb seines eigenen sportlichen Unterbaus leisten konnte? Die Lösung war für den Geschäftsmann schnell gefunden. Ein zweiter Partner musste mit ins Boot! Und siehe da: Es gab einen Verein, der sich in der umgekehrten Situation befand wie Bayern Hof. Die SpVgg Hof konnte es sich finanziell zwar erlauben, sich bis in die Bezirksoberliga vorzuwagen. Sportlich aber war der älteste Fußballverein Frankens seit seinem 100-jährigen Jubiläum im Jahr 1983 nicht mehr über die Kreisliga hinausgekommen.

Gemeinsam könnten sich beide Vereine trotz der wirtschaftlich miserablen Rahmenbedingungen der Region in noch weitere Höhen wagen. Die Voraussetzungen sind gut, um die Vision eines erfolgreichen Fußballvereins, der den Menschen in Hof und Umgebung wieder einen Grund zum Stolz liefern könnte, in die Tat umzusetzen. Die schwierigsten Streitfragen, die Vereinsfusionen normalerweise im Wege stehen, können im vorliegenden Fall kaum aufkommen. Die Farben, in denen der gemeinsame Klub spielen würde, sind die gleichen. Beide Vereine haben annähernd dieselbe Mitgliederzahl. Selbst die Namen sind relativ problemlos zusammen zu führen: aus dem FC Bayern und der SpVgg wird die SpVgg Bayern Hof.

Für potentielle Sponsoren ist eine Fusion ein positives Signal. Ein Unternehmer der sieht, hier werden zum Wohle des Ganzen alte Zöpfe abgeschnitten, zwei Traditionsvereine wollen gemeinsam weiter nach vorne als sie es getrennt jemals schaffen könnten, der investiert mit gutem Gewissen in das zukünftige Aushängeschild der Region Hochfranken. Zwei Klubs von vereinsmeiernden Provinzlern, die sich mit 30 Jahre alten Erfolgen über ihren allmählichen Verfall hinwegtrösten, sind dem modernen Image der wenigen florierenden Unternehmen im Raum Hof hingegen abträglich.

Diese Überlegungen scheinen Zukunftsmusik zu sein, sind es aber nicht. In Wirklichkeit ist die Fusion beider Vereine ohne größeren Schaden schon gar nicht mehr abzuwenden. Dass die SpVgg nun unter dem Namen FC Bayern Hof II in der Bezirksoberliga antritt, oder dass die B-Jugend der Bayern aufgelöst, die Spieler aber als SpVgg Hof in der Junioren-Bayernliga kicken, macht dies mehr als deutlich. Um die Nachwuchsspieler in der höchsten für die Region möglichen Spielklasse antreten zu lassen, hat jeder der beiden Vereine auf die eigene klassentiefere Mannschaft verzichtet. Dieser Verzicht ist allerdings nur im Hinblick auf die bevorstehende Fusion zustande gekommen.

Kommt der Zusammenschluss nicht zustande, müsste die erste Mannschaft der SpVgg wieder in der untersten Spielklasse beginnen. Beim FC Bayern Hof müsste mit der B-Jugend nicht nur ein Jahrgang auf Spielpraxis verzichten. Weil der FC Bayern, auf sich allein gestellt, aus finanziellen Gründen auf seinen Bezirksoberliga-Startplatz verzichten müsste, stünde der gesamte fertig ausgebildete Nachwuchs ohne Auffangbecken da. Der Fußballstandort Hof wäre um Jahre zurück geworfen.

Wer gegen die Fusion des FC Bayern mit der SpVgg Hof ist, lügt sich demnach also in die Tasche. Wer gegen die Fusion ist, sollte so ehrlich sein, sich einzugestehen, dass er damit gleichzeitig gegen den Wiederaufstieg des FC Bayern Hof in die 4. Liga und das mittelfristige Ziel des Aufstiegs einer SpVgg Bayern Hof in die Regionalliga ist. Wer gegen die Fusion ist, soll laut sagen: Ich will mit dem FC Bayern Hof für alle Zukunft dorthin, wo die SpVgg Hof bisher schon war - in die Kreisliga!


Lars