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Andi  2004/07/25

Interview mit unserem neuen Trainer Thomas Kost


Thomas Kost (li.), Andi im Gespräch mit T.Kost und Erika Bruchner (re.)

Hallo Herr Kost. Zuerst noch einmal auch von Seiten der BHFC-Fanseite herzlich willkommen bei den Hofer Bayern.
Danke!


Bei welchen Vereinen haben Sie bisher als Trainer gearbeitet?
FC Cleeberg (Bezirksligist im Kreis Giessen), Hannover 96 (Co-Trainer), SpVgg Greuther Fürth Amateure und Profis.


Seit der erfolgreichen Zeit von Ex-Trainer Norbert Schlegel, sind sie bereits der sechste Trainer bei den Hofer Bayern. Auch sonst waren über die Bayern in den letzten Jahren einige Negativmeldungen zu hören (Fastpleite, Probleme mit Manager...). Warum haben sie sich dennoch für die Bayern entschieden?
Weil ich 100%ig davon überzeugt bin, dass man hier etwas bewegen kann. Wichtig ist, dass in Ruhe und hochkonzentriert gearbeitet wird und der Fussballsport im Mittelpunkt steht. Hof ist als Fussballstadt bekannt und verfügt über grosses Zuschauerpotential. Zusammen mit dem Sportlichen Leiter Herbert Börner, ohne den ich nicht hier gelandet wäre, möchte ich etwas aufbauen, das den Verein langfristig sportlich etabliert.


Wie sehen sie selbst den Abstieg der Hofer Bayern? War er zu vermeiden?
Ich möchte mich nicht um das kümmern, was war oder hätte sein können. Meine volle Konzentration gilt der Gegenwart und Zukunft des FC Bayern Hof.


Was ist für einen neuen Trainer leichter: einen Neuanfang mit jungen Spielern wagen, obwohl ein Aufstieg schon fast erwartet wird, oder unter Umständen eine weitere Saison gegen den Abstieg zu spielen?
Ein Neuanfang mit dem Ziel, wirklich die Basis zu schaffen für etwas Langfristiges, ist immer besser als weiter vor sich hin zu wurschteln. Wobei ich das unabhängig von der Liga sehe. Entscheidend ist das Ziel, das man gemeinsam anstrebt.


Peter Gebele meinte vor seinem Abschied, der Verein soll sich noch einmal genau anschauen welcher Spieler für den Verein alles gegeben hat. Hatten sie denselben Eindruck, dass nicht alle 100%ig mitgezogen haben? Haben sie personelle Konsequenzen gezogen oder war das Sache der Vereinsführung?
Wie bereits erwähnt, möchte ich nicht zurückschauen. Unser Blick ist nach vorne gerichtet. Das gilt für alle Beteiligten. Es gibt für alle viel zu viel Arbeit, als dass man über Vergangenes diskutieren könnte.


Man hat gelesen, dass sie sich sehr für eine Fusion des FC Bayern Hof mit der SpVgg Hof ausgesprochen haben. Neben dem Erhalt des Bezirksoberligaplatzes für eine Hofer Mannschaft bedeutet das ja auch eine Bündelung der Kräfte im Jugendbereich. Welche Synergieeffekte sind noch zu erwarten? Welche Perspektiven für den Hofer Fußball könnten sich dadurch ergeben?
Das ist ein wichtiger Baustein für unsere Zukunft. Beide Vereine verfügen über zahlreiche Talente und engagierte Mitarbeiter im Nachwuchsbereich.Dies gilt es zu bündeln, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, nämlich allen jungen und ehrgeizigen Fussballern in Hof und im Umkreis bis zu ca. 100km bestmögliche Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten.


Nun wurde mit Ihrer Person ja ein Trainer engagiert, der seine Tätigkeit hauptberuflich ausüben wird. Wie wird ein „normaler“ Arbeitstag für sie aussehen? Wird es täglich Training geben? Vielleicht auch Einzeltraining?
Bis jetzt habe ich leider noch keinen normalen Tagesablauf, da ich noch immer im Umzugsstress stecke. Ich hoffe, dass dies bald abgeschlossen ist und ich mich voll auf meine Arbeit konzentrieren kann. Sicherlich wird täglich trainiert, das ist die Grundvoraussetzung für jeden, der sich verbessern will. Da ich nicht über Profis verfüge, muss ich flexibler agieren, daher ist individuelles Training oder Gruppentraining sehr wichtig. Dazu ist geplant, dass ich Zusatzschichten mit Jugendlichen absolviere, um hier noch intensiver und gezielter zu arbeiten. Hier sind wir gerade dabei, die organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen, um dies umzusetzen.


Der Erhalt der 2.Mannschaft wurde von allen Seiten begrüßt. Planen Sie ein gemeinsames Spielsystem für erste und zweite Mannschaft, vielleicht unter Einbezug der A-Jugend? Werden Sie sogar selbst die zweite Mannschaft trainieren?
Nein. Ich sehe die 2. Mannschaft wie auch die A-Jugend als eminent wichtigen Unterbau. Wo es nötig ist, werden wir helfen, ansonsten haben wir mit Horst Pankau und Robert Kilin ehrgeizige Trainer, denen wir absolut vertrauen. Ich möchte, dass alle Teams offensiven Kombinationsfussball spielen, das System ist dabei zweitrangig, entscheidend ist die Spielweise.


Können Sie uns kurz etwas zu den Neuverpflichtungen erzählen? Wer hat das Potential zum Stammspieler?
Das Potential dazu hat jeder, sonst hätten wir sie nicht geholt. Florian Gogolok ist ein torgefährlicher Stürmer, trotz seiner Grösse mit Stärken am Boden und sehr schnell. Mirko Horn kommt vom FSV Schleiz und ist auch Stürmer, 18 Jahre jung, schnell und kopfballstark. Robert Tänzel ist ein kampfstarker defensiver Mittelfeldspieler, der eine Mannschaft antreiben kann. Christian Kolb kommt vom ATS Kulmbach, er ist ein schneller und giftiger Verteidiger. Sascha Prell ist als Torwart hier in Hof ja kein Unbekannter und wird gemeinsam mit Udovcic und dem jungen Volker Brendel dafür sorgen, dass wir uns auf dieser Position keine Sorgen machen brauchen. In den letzten Tagen sind noch zwei weitere junge Talente hinzu gekommen. Florian Heckenberger von den Bundesliga-A-Junioren des TSV 1860 München, ein spiel- und schussstarker Mittelfeldmann, sowie Paul Scheller aus der A-Jugend des 1.FC Bamberg, ein antrittsschneller und dribbelstarker Stürmer. Es freut mich, dass es uns gelungen ist, diese Spieler nach Hof zu holen. Unser Weg kann nur der sein, mit jungen, ehrgeizigen Leuten zu arbeiten. Wenn alle fit sind, werden sie unseren Zuschauern viel Freude bereiten, da bin ich sicher.


Auch wenn alle vom Aufstieg sprechen, welcher Platz ist in der nächsten Saison realistisch gesehen für den FC Bayern Hof erreichbar?
Eine realistische Einschätzung ist erst nach 3-5 Spielen möglich. Ich muss mir auch erst ein Bild von der Landesliga Nord machen. Aber es darf keine Zweifel daran geben, dass der Aufstieg nur über uns geht. Unser Ziel ist der direkte Wiederaufstieg.


Was halten sie vom Hofer Publikum bzw. welche Erfahrungen haben sie schon mit Hofer Fans gemacht?
Die Bayern-Fans sind bekannt für ihre Begeisterungsfähigkeit. Dass man letztes Jahr trotz des Abstiegs den 3.Platz in der Zuschauertabelle erreicht hat, bestätigt dies. Ich hoffe natürlich, dass wir auch in der Landesliga tatkräftig unterstützt werden. Ich möchte mit meiner jungen Mannschaft offensiven Fussball zeigen und damit allen Leuten beweisen, dass der Hofer Fussball noch lebt


Bekannt sein dürfte auch die alte Rivalität zwischen den Hof und der SpVgg Bayreuth. Uns wurde ja sogar von offizieller Seite aus Bayreuth der Abstieg gewünscht. Was halten Sie davon? Finden Sie solche Rivalitäten bei Nachbarvereinen eher lächerlich oder freuen Sie sich schon auf die besondere Atmosphäre beim nächsten Nachbarschaftsderby?
Von solchen kleinkarierten Scharmützeln halte ich nichts. Das hat mit Fussball nichts zu tun. Derbies leben von Leidenschaft und Einsatzfreude. Jedoch erwarte ich dies von meinen Spielern in jedem Spiel, egal ob gegen Bayreuth oder Bremerhaven.


Welche Ziele haben sie mittelfristig mit dem FC Bayern Hof?
Zunächst einmal wollen wir wieder zurück in die Bayernliga. Das wird schwer genug, uns wird in der Landesliga nichts geschenkt. Dazu wollen wir durch eine Intensivierung der Nachwuchsarbeit die Basis legen für die Zukunft. Alles weitere wird sich dann Schritt für Schritt ergeben.


Aber es ist schon so, dass Hof eine Zwischenstation auf ihrem Weg zum Bundesligatrainer sein wird :-) ?
Ich möchte mich stetig verbessern und weiterentwickeln, als Trainer und als Mensch. Was am Ende dabei herauskommt, wird man sehen. Ich will das Maximum erreichen und jeden einzelnen Spieler, der unter mir trainiert, weiterbringen. Das geht nicht, wenn man schon im Voraus seine nächsten Stationen plant.Die Bundesliga habe ich mit Hannover und Fürth ja schon kennengelernt. Da ist vieles nur heisse Luft und Schaumschlägerei. Mir geht es um Leistungssport und Fussball statt anderer Oberflächlichkeiten. Ich werde alles dafür tun, um mit Bayern Hof so weit wie möglich zu kommen.


Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für Ihre Arbeit in Hof.
Dankeschön!